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Nachdem letztes Mal Zoë Jennys „Blütenstaubzimmer“ unsere Redaktion nicht recht überzeugen konnte, versuchen wir es dieses Mal mit einem echten amerikanischen Klassiker von John Steinbeck: „Von Mäusen und Menschen“ (im Original: „Of Mice and Men“).

 

Zum Inhalt
„Of Mice and Men“ stellt die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern in den Fokus. Lennie ist groß, stark, gutherzig, tollpatschig und nicht gerade helle. George dagegen ist klein, gewitzt und sehr geschickt. Beide halten sich mit Farmarbeiten über Wasser und ziehen gemeinsam von Ort zu Ort, immer mit dem Ziel  vor Augen, eines Tages ihre eigene Farm zu führen. Dem Traum der Beiden steht vor allem eines im Weg: Lennies Leidenschaft dafür, weiche Dinge zu streicheln – und sie dabei durch seine unkontrollierbare Kraft zu zerstören. Aufgrund eines ungewollten Übergriffs auf eine Frau haben beide ihren ursprünglichen Platz verlassen und müssen sich eine neue Arbeit suchen. Doch auch am neuen Arbeitsplatz bleibt Lennies unberechenbare Stärke, die er nicht zu kontrollieren vermag, eine Gefahr für den gemeinsamen Traum…

 

Für Christina war es Liebe auf den ersten UND zweiten Blick
Ich habe schon öfter das Phänomen beobachtet, dass ein Werk beim zweiten Lesen langsam seine Magie für mich verliert. Irgendwie fehlt dann zumeist der Überraschungseffekt, oder der Inhalt wird von mir plötzlich anders verstanden, weil ich nicht mehr so fühle wie beim erstmaligen Lesen. Vielleicht, weil ich älter und weiser geworden bin, vielleicht aber auch nur, weil ich mich damals mehr mit den Figuren identifizieren konnte.  „Of Mice and Men“ las ich in der elften Klasse. Nicht, weil ich es lesen musste, sondern weil mein Englischlehrer  es uns privat empfahl. Von der ersten Seite an war ich im Bann des Romans. Mir gefiel besonders die Authentizität, die die Charaktere für mich versprühten. Ich mochte, wie ihre Art zu sprechen zu ihren Einstellungen passte, wie ihre Handlungen schlüssig waren und doch Überraschungsmomente beinhalteten. Am meisten hat mich jedoch, beim ersten und auch beim zweiten Lesen, die Freundschaft der beiden Arbeiter berührt. Das Werk hat mich auch beim zweiten Lesen so sehr begeistert, dass ich klar es klar weiterempfehlen würde!

 

Guy don’t need no sense to be a nice fella. Seems to me sometimes it jus’ works the other way around. Take a real smart guy and he ain’t hardly ever a nice fella.

 

Nico begeistern die Charaktere
John Steinbeck hat hier eine Geschichte geschrieben, dessen Spannungskurve sehr geradlinig verläuft. Langeweile konnte sich so kaum einstellen und im Nu war man durch mit dem Büchlein. Die Idee: Was passiert, wenn jemand körperlich unglaublich stark ist und geistig damit nicht umgehen kann? Wird ein Aufpasser es schaffen, die Kraft des Überkindes zu bändigen? Beeindruckend fand ich besonders die Authentizität der Charaktere. Nicht nur die zwei Hauptfiguren waren von Anfang an so durchdifferenziert, wie man es sich nur wünschen kann; selbst die kleinen Nebenfiguren hatten ihre spezifischen und ungewöhnlichen Eigenschaften, die sich in den kurzen, komprimierten Beschreibungen genial ausfalten konnten. Mit seinem Problem ist Lennie wohl der Interessanteste, vom Gemüt so gutartig wie kein anderer, aber ohne Kontrolle so grausam wie kein zweiter. Das Schlimme ist, er weiß, wenn er etwas falsch gemacht hat, und verurteilt sich selbst dafür. Dadurch weckt er so viel Mitgefühl, dass man der Tragödie während des gesamten Werkes mit ängstlicher Spannung entgegenblickt und hofft, er möge von seinem Aufpasser George gerettet werden. Umso schwerer trifft einen der Höhepunkt und das traurige Ende. Hier passt wirklich einmal „atemberaubend“.

 

Anja freute sich über literarische Anspielungen
Da ich mich gerne von Literaturpreisen beeindrucken und in der Wahl meiner Lektüre beeinflussen lasse, stand Steinbeck als Nobelpreisträger schon lange auf meiner To-Read-Liste. Allerdings ziemlich weit unten, denn ich muss gestehen, das Thema Wanderarbeiter in den USA in den 1920/30ern erschien mir nicht sonderlich spannend.
Dass mich die Erzählung dann doch ziemlich schnell mitgerissen hat, liegt vor allem – und da kann ich nur wiederholen, was meine Vorredner schon meinten – an Steinbecks empathisch-authentischer Figurenzeichnung. Selten habe ich mich den Protagonisten einer Geschichte so nah gefühlt.
Sprachlich überraschend schlicht gehalten, begeisterte mich Steinbeck außerdem mit kleinen genialen Anspielungen auf andere Werke der Weltliteratur. Denn nicht nur der Titel der Erzählung ist eine literarische Referenz (nämlich an Robert Burns Gedicht „To A Mouse“) auch Georges Nachname Milton ist sicher nicht zufällig gewählt. Der Querverweis zu John Miltons „Paradise Lost“ deutet geschickt das Ende der Geschichte an, der Geschichte von George und Lennie und ihrem Traum vom eigenen Stück Land – Kain und Abel und das verlorene Paradies.
Bei aller Vorhersehbarkeit – mein Entsetzen und mein Kummer beim Lesen der letzten Seiten war ziemlich groß, hatte ich in George, Lennie, Crooks, Candy und Slim doch gerade erst neue Freunde gefunden. Das heißt dann wohl, dass Steinbeck alles richtig gemacht hat.

 

Just like heaven. Ever’body wants a little piece of lan’. I read plenty of books out here. Nobody never gets to heaven, and nobody gets no land. It’s just in their head. They’re all the time talkin’ about it, but it’s jus’ in their head.

 

Für Svea passt alles zusammen
Die Geschichte ist zugegebenermaßen vorhersehbar, die Dialoge gleichen sich teilweise bis aufs Wort und doch ist Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“ meiner Meinung nach brillant. Dieses Buch lebt von seinen Protagonisten und nicht zuletzt von einer ungemein stimmigen Szenerie. Von Beginn an liegt Gefahr in der Luft: Ein Unglück, so ist man sich sicher, wird Lennie und George ihren größten Wunsch verwehren. Es ist, als trete Steinbeck in manchen Situationen einfach einen Schritt zurück und betrachte die Gesamtheit der Szene, um anschließend wieder in die Handlung einzusteigen. Die dabei integrierten Naturbeschreibungen sind märchenhaft, geradezu verheißungsvoll und tragen so ideal zum Spannungsaufbau bei. Sonst ist die deutsche Übersetzung sprachlich eher einfach gestrickt und kommt teils mit einer gewöhnungsbedürftigen Wortwahl daher. So „tippeln“ die Freunde gemeinsam von Farm zu Farm, auf der Suche nach einem passenden Arbeitsplatz. Doch auch dies tut der Lektüre keinen Abbruch, sondern sorgt für die besondere Authentizität der Feldarbeiter. Alles passt letztlich zusammen und ließ mich mit ihnen mitfiebern – oder eher mitleiden. Lennie, der mich in seiner kindlich-naiven Art stark an Coffey aus Stephen Kings „The Green Mile“ erinnert hat, macht sich auf mehrfache Art schuldig, allerdings stets aus seinem Bedürfnis nach Liebe heraus. Er ist, wie der alte, stinkende Hund Candys, nicht gesellschaftsfähig – für mich ein besonders schönes Gleichnis: heiß geliebt und doch zum Sterben verurteilt …

 

Steffen taucht gerne wieder ab
„Von Mäusen und Menschen“ war tatsächlich meine erste Begegnung mit Steinbeck.
Nun schaffen es nicht viele Bücher, dass ich sie mitten im Arbeitstrubel unserer Redaktion innerhalb weniger Stunden verschlinge und erst nach mehrfachem Ansprechen wieder aus dem Buch auftauchte. Die Geschichte selbst mag ein wenig vorhersehbar sein und, im Nachhinein fällt es mir besonders auf, sogar etwas sentimentalisch anmuten. Doch Steinbeck legt es nie darauf an und beweist großes Feingefühl im Aufzeigen der scheuen Träume und Gefühle der kalifornischen Wanderarbeiter. Diese kleine Geschichte über Sprachlosigkeit und Vereinsamung entwickelt eine angenehme Sogwirkung und klingt noch lange nach dem Lesen nach. Steinbecks Sätze sind öfter richtige kleine Melodiebögen, die einen einnehmenden Rhythmus haben; seine Figuren treten lebendig aus den Seiten hervor und haben schnell mein Interesse und Mitgefühl geweckt. „Von Mäusen und Menschen“ wird darum nicht meine letzte Begegnung mit Steinbeck gewesen sein. Ich halte es genau wie seine Figur Lennie Small: „Tell me like you done before, John!“

 

Das Fazit
Nachdem unsere kritische Redaktion lange Zeit nicht mehr wirklich überzeugt werden konnte, hat es Steinbecks Klassiker endlich geschafft  wieder für Begeisterung zu sorgen. Das Werk erntete überschwängliches Lob. Kritisch wurde lediglich angemerkt, dass einzelne Sequenzen als vorhersehbar wahrgenommen wurden. Sonst fühlten alle mit den Charakteren mit und lobten vor allem deren Authentizität.  Mit einer guten Bewertung von 4 Punkten platziert sich “Von Mäusen und Menschen” auf dem zweiten Platz unseres bisherigen Rankings. Damit schafft es das Werk auf eine Stufe mit “Der Fänger im Roggen” und “Fahrenheit 451″, muss sich jedoch gegen den unangefochtenen Spitzenreiter “Herr der Fliegen” geschlagen geben.

Lachen ist gesund und Christina lacht gerne und viel – so auch beim Lesen. Darum findet man in ihrem Bücherregal nur selten Krimis und kaum Sci-Fi-Werke. Stattdessen ragen eher Känguru-Chroniken aus dem Regal. Ein wenig satirisch, sozialkritisch, mit einem Augenzwinkern à la Mark Twain sollte es sein. In der litopischen Welt lädt sie einmal im Monat zum BuchClub und wirft für euch einen kritischen Blick auf aktuelle Bestseller.

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