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Wer sich so sehr mit der Kunst des Schreibens beschäftigt wie Autoren, der kommt nicht umhin jede Form von kreativer Schriftsprache als Input anzunehmen. In diesem SchreibTipp untersuche ich, wie man zu dieser künstlerischen Aufmerksamkeit gelangt und sie gewinnbringend für die eigenen Geschichten nutzt.

Warum Lesen fürs Schreiben essentiell ist

Die erfolgreichsten Autoren sind zugleich auch unbarmherzige Verzehrer von Literatur.  Bücher, Zeitschriften, Höhlenmalereien etc. sind das Öl für das Schreibfeuer, weil Lesen die Wahrnehmung von und den Umgang mit Sprache schärft. Schreibkünstler analysieren ihre eigene Umsetzung der Sprache so intensiv, dass der eigene Korrekturstift irgendwann selbst beim freizeitlichen Literaturgenuss immer mit dabei ist. Ich muss gestehen, dass es unter Umständen auch nerven kann, wenn man eine Geschichte genießt, aber von jeder unnötigen Wortwiederholung herausgerissen wird oder mehr auf die Art des Dialogs schielt als auf das Gesagte zu achten. Trotzdem ist dies ein gutes Zeichen, denn so holt man sich stets neue Inspiration: welche sprachlichen Mittel funktionieren, von welchen Satzstrukturen lässt man lieber die Finger, und neue Wörter lernt man ebenfalls unentwegt.

Wie man als Autor liest

In unserer Schreibgruppe haben wir uns die Aufgabe gestellt, gezielt als Autoren einen kurzen Text zu lesen. Dabei haben wir uns in erster Linie auf die sprachliche Umsetzung konzentriert, aber genauso kann man als Autor den Fokus Charakterbildung, Aufbau der Story oder andere Aspekte lenken. Wichtig ist es, ein Ziel vor Augen zu haben, wenn man mit dieser Aufgabe noch nicht so vertraut ist. Mit etwas Übung kommt der Blick auf das Wesentliche ganz automatisch.

Beim Lesen haben wir uns nach festgelegten Kriterien Notizen gemacht, damit wir diese für unsere Schreibarbeit verwenden können und nicht vergessen. Darunter waren die folgenden Aspekte:

  • Stilmittel, die Spannung hervorrufen
  • Stilmittel, die Charaktere beschreiben
  • Stilmittel, die die Welt aufzeigen
  • Form der Dialoge
  • Umgang mit Interpunktion
  • Einsatz von Adjektiven

Eine gute Übung ist außerdem, einen Text mehrmals zu lesen und jedes Mal den Fokus auf etwas anderes zu richten. Zu groß sollte der Fokus vor allem zu Beginn noch nicht sein, damit man die Feinheiten nicht übersieht. Spricht der Erzähler den Leser zum Beispiel direkt an? Was bewirkt das? Fast wäre uns dieses Mittel untergegangen, weil uns das schon des Öfteren begegnet ist. Aber als lesender Autor wollen wir das nicht einfach Hinnehmen, sondern genau wissen, warum diese Form gewählt wurde und wieso es gelungen oder eher nicht ist.

Was beim Lesen nicht wichtig ist

  1. Das Ende. Als Autoren lesen wir für die Kunst, ob nun eine Seite aus einem Buch oder 300, das ist egal. Jeder Satz kann eine Epiphanie auslösen und um diese geht es, neuen Input, die eigene sprachliche Wahrnehmung stimulieren. Ein langweiliges Buch, das vielleicht die schlechten Beispiele enthält, beende ich daher nicht, sondern nehme mir einfach die Lehren heraus, die für mich relevant sind.
  2. Das Schreiben zu vergessen. Wer nur liest und sich ausmalt, was er mit all diesen Stilmitteln machen könnte, aber es nie zu Papier bringt, hat irgendwie das Ziel verfehlt. Lesen ist wichtig, aber in erster Linie muss man schreiben, um besser werden zu können.
  3. Alles Gute zu kopieren. Jedes Mittel hat seinen Zweck: durch Lesen baue ich mir mein Inventar auf, aber jede Story braucht seine ganz eigene sprachliche Mischung.

Was ist dir bisher so beim Lesen aufgefallen und konntest du es in einer Story verwenden?

Nico
Hinter der Vielfalt seines Bücherregals verbirgt sich eine Sympathie für Werke entsprungen aus den Genres Fantasy, Sci-Fi, Horror und Gesellschaftskritik. Als geneigter Leser wandelt Nico zwischen der LitWelt und SchreibWelt. In letzterer tradiert er seine Erfahrungen als Lektor, Autor und Verleger zur Unterstützung aufstrebender Schriftsteller.

One Comment

  1. Avatar

    Danke für diesen hilfreichen Artikel. Ein weiterer großer Vorteil des analytischen Lesens ist die Erweiterung des eigenen aktiven Wortschatzes. Hierfür kann ich es empfehlen, neben den Romanen auch mal eine wissenschaftliche Abhandlung zur Hand zu nehmen, beispielsweise zu psychologischen Themen, die kommen uns Schreiberlingen meist auch inhaltlich zugute.
    Da ich selbst, wenn ich ein spannendes Buch lese, ungern Lineal und Buntstift neben mir liegen habe – meist auch einfach zu faul bin, sie einzusetzen 😉 – möchte ich anmerken, dass schon aufmerksames, bewusstes Lesen dabei hilft, sich weiterzubilden. Wenn ich merke, dass mich eine Textpassage von den Socken reist, dass ich einen Plot Twist gelungen finde, mich um das Schicksal der Figuren sorge usw. frage ich mich in diesem Zusammenhang einfach „Warum ist das so?“ und komme ganz von selbst auf einige der vorliegenden Mittel, die jenen Effekt bei mir hervorrufen und die ich für mich übernehmen kann.
    Liebe Grüße

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