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Mit über 65 Millionen verkauften Büchern ist J. D. Salingers „Der Fänger im Roggen“, wie unser Buchclub zeigen wird, nicht nur in den Vereinigten Staaten eine Standard-Schullektüre. Obwohl als profan, vulgär und ruchlos abgestempelt, konnte der Roman nicht daran gehindert werden, weltweite Referenzen um sich zu scharen und ganze Mythen zu schüren. Ein Buch, das vor allem junge Menschen begeistert, die zum ersten Mal in ihrem Leben erschreckt auf die Welt blicken und ein Stück Entfremdung verspüren. Nach Aldous Huxleys Schöne Neue Welt und F. Scott Fitzgeralds Der Große Gatsby, der Buchbesprechung Buchclub Nummer 3!

 

Zum Inhalt

Der 17-jährige Holden Caulfield wird wegen seiner schlechten Noten temporär vom Internat verwiesen. Er verliert die Ausrüstung seiner Fechtmannschaft in der U-Bahn genau vor einem wichtigen Wettkampf. Schließlich prügelt er sich mit seinem Mitbewohner Stradlater, einem Weiberhelden, der mit seinem heimlichem Schwarm Jane ausgeht und ihn damit piesackt. Ebenso wenig würdigt Stradlater den Aufsatz, den Holden in Andenken an seinen verstorbenen jüngeren Bruder Allie geschrieben hat. Holden hat es satt, alles geht ihm auf den Senkel. Die ganze Welt und all die Leute mit ihrem aufgesetzten und oberflächlichen Getue können ihn mal. Um weiterem Ärger mit seinen Eltern zu entkommen, verschwindet er für einige Tage in ein Motel. Tage voller Wut, Hass, Einsamkeit und einer großen Identitätskrise.

 

Patryk im Roggen der Remineszenz

Dieses Buch wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Ich erinnere mich noch als wäre es erst gestern, als meine Englischlehrerin meine Klasse in die Bibliothek nahm und sagte: „So, jetzt könnt ihr euch mal selbst ein Buch aussuchen über das ihr referiert“. Vielleicht war es damals für mich als Jugendlichen auch nur die Ermöglichung einer gefühlten Selbstentscheidung und die Befriedigung einer inneren Rebellion, wie sie auch Holden Caulfield und jeder Heranwachsende durchlebt. Doch das erste Buch, über das ich entscheiden durfte, wurde mein erstes richtiges Lieblingsbuch. Am meisten faszinierte mich und noch heute benutze ich es, wenn mich jemand fragt, ob es etwas gibt, was ich nicht ausstehen kann, das kleine Wort „phony“.
Ich hatte etwas Angst, das Buch nach vielen Jahren wieder in die Hand zu nehmen und durchzulesen, da mir durchaus bewusst war, dass die Begeisterung aus der Vergangenheit, wie bei vielen wahrscheinlich, im Gros an meine Identifikation mit dem Protagonisten gebunden war. Doch Salinger bewies mir, was für eine Erfahrung es sein kann, ein Buch, an einem anderen Punkt im Leben, wiederaufzugreifen. Der Fänger im Roggen ist mehr als ein Souvenir für mich, sondern ein tiefsinniger und wichtiger Gesellschaftsroman, der, erschreckender Weise, noch völlig im Zeitgeist steht.

 

I don’t even know what I was running for – I guess I just felt like it.

 

Durchwachsenes Wirrwarr für Jana

Ich war so alt wie Holden Caulfield, als ich den „Fänger im Roggen“ in der Übersetzung von Eike Schönfeld in der Schule lesen musste. Damals konnte ich den Protagonisten und seine seltsame Art einfach nicht ernst nehmen. Die Interpretationen, die mein Lehrer vorgab, verstärkten dieses Gefühl noch mehr. Womöglich haben wir den Roman damals einfach überinterpretiert. Manchmal muss man einen Text auch nur einen Text sein lassen. Im Zuge des Buchclubs schnappte ich mir das Werk noch einmal im englischsprachigen Original. Der Slang, in dem Holden seine Geschichte erzählt, fiel mir erst dort auf, wirkte auf mich jedoch nicht schockierend, sondern einfach nervig. Mit dieser Art von Sprache kann ich mich nicht identifizieren. Die Persönlichkeit von Holden faszinierte mich hingegen um so mehr, auch wenn er mir nicht unbedingt sympathisch erscheint. Beim zweiten Lesen wirkte er auf mich nicht mehr wie eine Witzfigur, sondern wie eine tragische Gestalt, die gerne die Welt verändern würde, aber es letzten Endes nicht mal selbst schafft so zu leben, wie er es sich von allen anderen Menschen wünscht. Dass ich hierüber stundenlang diskutieren könnte zeigt für mich, dass J. D. Salinger mit dem „Fänger im Roggen“ einen ganz außergewöhnlichen Roman geschaffen hat, den es sich zu lesen lohnt. Er ist mit Sicherheit nicht mein Lieblingswerk, aber eines, das tiefe Emotionen auslöst, wobei diese nicht immer positiv sein müssen…

 

Sveas Kritik – Holden mit seinen eigenen Waffen schlagen

Salingers Roman ist erfrischend anders. Das kann und will ich nicht leugnen, denn ein typischer Klassiker ist „Der Fänger im Roggen“ ganz bestimmt nicht. Holden Caulfield, der Protagonist, beispielsweise ist alles andere als ein althergebrachter Held der Schullektüre. Allerdings: Dem Roman eilte ein so guter Ruf voraus, dass meine Erwartungen einfach dahinter zurück bleiben mussten. Fragwürdiges Vokabular und mundartliche Einschübe, wie „oder so was“, haben zunächst meinen Lesefluss gestört. Mit der Zeit aber bemerkte ich, dass eben jene Aspekte das Buch auflockerten und mich zum Schmunzeln brachten. Caulfield als Charakter habe ich jedoch als ebenso zwiespältig empfunden. Immer wieder betont er die eigene Abneigung gegen Verlogenheit, entpuppt sich aber im Laufe des Romans nicht nur einmal selbst als hochgradig heuchlerisch. Holdens Erkenntnis, nur die Tätigkeit als „Fänger im Roggen“ könnte ihn erfüllen, hat mich dann geradewegs verwirrt. Mir war er bis zu jenem Zeitpunkt nicht besonders hilfsbereit erschienen. Man könnte Salinger nun zugute heißen, dass seine Hauptfigur eben die typische Sprunghaftigkeit eines Teenagers durchlebt. Andererseits sind die Reflektionen des Protagonisten ganz eindeutig einem erwachsenen Geist entsprungen. Rückblickend finde ich trotz allem sowohl Schreibstil als auch Protagonisten gelungen, denn das Verfahren des Autors ist ungewöhnlich und brachte mich zum Nachdenken. Die Handlungsarmut des Romans konnte ich trotzdem nur zeitweilig vergessen.

 

Life is a game, boy. Life is a game that one plays according to the rules.

 

Wenn Schullektüre Spaß macht – Nico erinnert sich

Auch ich musste den Fänger in der Schule lesen. Aber was heißt hier „muss“, es war eines der ersten Schul-Klassiker, die ich genoss. Holden Caulfield war vielseitig und hat in mir einige Emotionen hervorgerufen. Zum einen konnte ich mich mit ihm identifizieren: der Druck von den Eltern, die Abneigung gegen manch pubertierenden Klassenkameraden und das befremdliche Gefühl zum System. Als er dann auf seine Selbstfindungsreise ging, kam mir das auch vertraut vor. Ich denke, in dem Alter möchten viele gerne einfach ausreißen, weg von allem, und durch Holden konnte ich das zumindest imaginativ ausleben. Ich finde auch, dass er zu bemitleiden war, weil bei ihm wirklich nichts richtig laufen wollte: sozial, beruflich, emotional … Wer fühlt sich nicht ab und zu, als würde der Boden unter einem weggerissen? Da hat man dann auch die dümmsten Gedanken, Pläne und Wünsche. Im Gegensatz zu Holden setzen wir das natürlich nicht in die Tat um. Vielleicht war er einfach zu sensibel und unerfahren, um mit seinen Problemen „erwachsen“ umzugehen. Besonders mit seiner Schwester Phoebe wurde seine sanfte Art deutlich, was ich sehr an ihm geschätzt hab. Irgendwie konnte Ich Salingers Buch zu der Zeit als Zufluchtsort sehen, wobei es heute eher einen nostalgischen Wert hat.

 

Fazit


Nach vielen und langen Diskussionen bekommt J. D. Salingers „Der Fänger im Roggen“ in unserem noch jungen Buchclub die bisher beste Note. Für die meisten von uns war das Lesen eine Karussellfahrt der Erinnerungen und Emotionen, die überwiegend Freude bereitete. Der Protagonist Holden Caulfield ist ein Antiheld, dem man nicht einfach zustimmen und folgen, sondern den man kritisch betrachten sollte. Das hält uns Leser jedoch nicht davon ab mit ihm zu sympathisieren. Wahrscheinlich ist der Erfolg des Werkes darauf zurückzuführen, dass in Holden Caulfield ein Teil von jedem von uns steckt. Denn an irgendeineinem Punkt im Leben kommt jeder von uns in eine Phase der Rebellion, die sich freilich unterschiedlich ausdrückt. Bei all der Polarisation und Radikalität, bestand in der Redaktion jedoch Konsens darüber, dass der “Fänger im Roggen” in der Welt der Literatur heraussticht und bedenkenlos weiterempfohlen werden kann. Ein Garant für nachdenkliche Tage und Nächte.

★★★★☆

Ich lese, ich schreibe, ich leuchte mit Wort und Satz.

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