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Steve-Johnson-magnetic-fridge-poetry

Eins ist klar, als Krimi-Autor musst du einen Schaden haben. Kinderbücher benötigen im Gegenzug die präziseste Vorbereitung, denn mit wenigen Wörtern und einfacher Sprache muss viel erzählt werden. Umso schwieriger ist es auch, die Tonlage zu treffen, bei der Kinder vom Hocker springen. Im Radio muss man dagegen trotz des Fokus auf das Hören alle Sinne ansprechen.

Daneben sollte auch die Kunst der Gedichte nicht unbeachtet bleiben. Lyrik soll ja angeblich die höchste Kunst des Schreibens sein, ja gar die Vorzeigeform der Literatur, die sich wohl erst im semantischen Ausbruch vollständig entblößt. Wie man es auch sieht, die feine Melodie, die in jedem Gedicht mitspielt, ist Schlüsselelement zu schöner Lyrik. Egal ob feste Form oder freie Kunst, die phonetischen Qualitäten dürfen nicht vergessen werden.

Nehmen wir Margaret Atwoods Sirenengesang:

Dies ist der Sang den jeder
lernen will: Der Sang
dem keiner widersteht:

der Sang der Männer zwingt
in Massen über Bord zu springen
obwohl am Strand sie weiße Schädel seh’n

Obwohl kein direkter Reim zugegen ist, gibt es einen Klang, der den Leser leitet und bestimmte Stellen hervorhebt. Die Linienführung ist dafür besonders wichtig, denn Gedichte kann man nicht einfach aus ihrer Form nehmen, auch anscheinend formlose Lyrik nicht, ansonsten bekommt man lediglich Krautsalat serviert.

Zur Veranschaulichung verändern wir das Gedicht einfach ein wenig:

Dies ist der Sang,
den jeder lernen will:
Der Sang, dem keiner widersteht:

der Sang,
der Männer zwingt in Massen über Bord zu springen,
obwohl am Strand sie weiße Schädel seh’n

Allein dadurch hat das Gedicht an Qualität verloren. Natürlich stimmen hier immer noch die Wortzusammenhänge, denn ohne die ausgeklügelten Klangverwandtschaften wie z.B. Sang/zwingt/springt/Strand wär nicht nur der Rhythmus imperfekt. Die Qualität jeder Schriftsprache steht mit der Tonalität in Verbindung. Deswegen kann Gedichte schreiben lernen, den Reiz für das Gehör stärken.

Für die wöchentliche Aufgabe brauchen wir zunächst ein Gedicht, das einem gefällt. Studiere es genau, warum sind die Zeilenumbrüche so gewählt, was haben die Reime zu bedeuten oder welche Wörter gefallen dir am besten? Danach versuchst du das Gedicht zu imitieren. Benutze den Rhythmus, vielleicht die Reimformen und mach daraus dein Eigen. Die Thematik kann sich unterscheiden, allerdings muss die Gedichtform auch dazu passen. Ich hoffe, dass euch das viel Spaß macht und freue mich, wenn ihr die Ergebnisse bzw. die ausgewählten Gedichte als Kommentar teilt.

Hinter der Vielfalt seines Bücherregals verbirgt sich eine Sympathie für Werke entsprungen aus den Genres Fantasy, Sci-Fi, Horror und Gesellschaftskritik. Als geneigter Leser wandelt Nico zwischen der LitWelt und SchreibWelt. In letzterer tradiert er seine Erfahrungen als Lektor, Autor und Verleger zur Unterstützung aufstrebender Schriftsteller.

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