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Es wird wieder Zeit für einen neuen Buchclub! Wie bereits angekündigt, wird heute „Das Blütenstaubzimmer“ diskutiert. Nachdem Hermann Hesses Siddhartha es beim letzten Mal doch recht schwer hatte zu punkten, wird sich zeigen, ob Zoë Jennys Coming-of-Age Story unsere Redaktion mehr mitgerissen hat…

Zum Inhalt
Im Fokus des Romans steht die 18 Jahre alte Jo. Nachdem ihre Eltern sich trennten als sie noch ein Kind war, sucht Jo nach 12 Jahren den Kontakt zu ihrer Mutter Lucy, die sich jedoch in einer schweren Krise befindet, da ihr zweiter Ehemann vor kurzer Zeit verstorben ist. Es bleibt den Roman über unklar, ob er wie Jo vermutet Selbstmord begangen hat oder nicht. Lucy ist daraufhin traumatisiert und schließt sich unter anderem in ein Zimmer voll mit Blütenstaub ein. Jos Wunsch nach Geborgenheit und Familie kann die selbstsüchtige Lucy nicht erfüllen. Oft bleibt Jo allein mit sich und ihren Gedanken. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter bleibt kontinuierlich angespannt und distanziert. Jo flüchtet sich immer mehr in Desillusionierung auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden…

Christina fand keinen Bezug
Man mag mich für verbohrt halten, doch für mich hängt die Begeisterung, die ich für ein Buch entwickele, eigentlich immer daran wie sehr ich mich mit den Figuren identifizieren kann. Das Blütenstaubzimmer von Zoe Jenny hat leider keine Charaktere hervorgebracht, die mir irgendetwas gesagt hätten. Ohne große Freude horchte ich den oft so trist und desillusionierten Gedanken der Protagonistin Jo und fragte mich, ob sie es wohl je schaffen würde zu einem anderen Menschen eine funktionierende Beziehung aufzubauen. Die Handlung des Werkes plätscherte so vor sich hin ohne wirkliche Höhepunkte. Wahrscheinlich soll gerade diese kreierte Stimmung und fehlende Handlung den Roman rund und homogen machen. Mich persönlich hat der depressive Ton jedoch eher frustriert und meine Laune gehörig runtergezogen. Stilistisch wirkten mir viele Bilder zu gewollt und konstruiert. Vielleicht hätte ich das Werk mit 16 Jahren noch gut gefunden, obwohl meine Lebenswelt damals wie heute von Jos doch sehr verschieden war. Alles in allem hat mich das Werk einfach nicht mitgerissen; weiterempfehlen oder nochmal lesen würde ich es nicht.

Ulrike hatte andere Erwartungen
Ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem es mir so schwer viel, zu entscheiden, ob es mir gefällt oder nicht. Zunächst muss ich sagen, dass mir der szenische Aufbau und der Wechsel zwischen detailgetreuen und nüchternen Schilderungen sehr gefallen haben. Ein Schreibstil, bei dem das scheinbar Unwichtige, wie der Selbstmord zahlreicher Schmetterlinge im kühlen Nass eines Sommerbaches, plötzlich in den Mittelpunkt gerückt wird und bedeutungsschwer den Leser zum Nachdenken anregt. Nichts desto trotz muss ich zugeben, dass ich wohl andere Erwartungen an die Geschichte hatte. Denn das Bild, was Zoë Jenny zeichnet, habe ich doch als sehr düster empfunden. Was erwartet man, wenn sich seine eigene Mutter 12 Jahre nicht für einen interessiert hat? Nicht viel, oder? Ich weiß es nicht, aber die gefühlten tausend Enttäuschungen, die es dauert, bis Jo kapiert, dass ihre Mutter eine egozentrische, fremde Frau bleibt, die sich auch weiterhin nicht für sie interessieren wird, hatten leider zur Folge, dass mich das Buch irgendwann einfach nicht mehr in seinen Bann gezogen hat. Vielleicht ist es eine unglaublich authentische Schilderung, die Zoë Jenny mit Blütenstaubzimmer gelungen ist, doch mich hat sie leider irgendwo auf dem Weg zu Jos Erwachsenendasein verloren.

 

Als meine Mutter ein paar Straßen weiter in eine andere Wohnung zog, blieb ich bei Vater. Das Haus, in dem wir wohnten, roch nach feuchtem Stein. In der Waschküche stand eine Druckmaschine, auf der mein Vater tagsüber Bücher druckte. Immer, wenn ich vom Kindergarten nach Hause kam, ging ich zu ihm in die Waschküche, und wir stiegen gemeinsam die Wohnung hinauf, wo wir unser Mittagessen kochten.

 

Svea vermisste Höhepunkte
Zunächst hat mich die Schilderung der Kindheit Jos durchaus mitgerissen. Ich versuchte, die Ängste des Mädchens einzuordnen – normal oder verquer? Was könnten die Ursachen sein? Aber vor allem interessierte mich: Wie schafft es Jo, über sich hinaus zu wachsen? Doch es scheint nicht Jennys Absicht zu sein, Ursache und Wirkung oder gar Weiterentwicklung aufzuzeigen. Ich hatte das Gefühl, es geht ihr schlicht darum, zu zeigen, wie sehr Menschen aneinander vorbei leben können. Jo scheint von Anfang an niemandem wichtig zu sein: Ihre Mutter verlässt sie und eine spätere Annäherung scheitert; ihr Vater lässt sie schon in frühester Kindheit häufig alleine und gründet später, über ihren Kopf hinweg, eine neue Familie. Ihre Liebesbeziehung – wenn man sie so nennen kann – stiftet nur Unsicherheit und Ärgernis. Vermeintliche Freundschaft ist nicht von Dauer. Bis zum Schluss habe ich auf eine Wendung gewartet – vergeblich. Der Roman ist gut geschrieben und atmosphärisch aber leider gleichbleibend trist. Mir mangelte es an Höhepunkten. Mein größtes Highlight: Jos „Freundin“ Rea reagiert auf das kindische Verhalten eines völlig zugedröhnten Jungen, indem sie ihm einen Schnuller in den Mund steckt– urteilt selbst.

Doch Nico wurde von der Sprache bezaubert
Der Titel sagt von außen gesehen rein gar nichts über diesen Roman aus und doch finde ich ihn im Nachhinein umso treffender gewählt. Er weckt keine passenden Erwartungen, besticht allerdings mit einer poetischen Bedeutung, die sich nach einer einfallsreichen Entdeckungsreiseise als Symbol für die Situation der elternsuchenden Hauptfigur entpuppt. Die Autorin zeigt in vielen weiteren Fällen ihre Wortgewandtheit, indem sie unglaublich treffend und geistreich ihre poetischen Ausführungen in die Erzählung einbindet. Dabei durchleuchtet sie auf ganz eindrucksvolle Weise die spannungsgeladene Beziehung einer Tochter zu ihren größtenteils egoistischen und verantwortungslosen Eltern. Die bizarren Inhalte wurden meiner Meinung nach sehr schön in die metaphernhaltige Sprache eingebettet und haben der inneren Welt der Ich-Erzählerin eine schöne Äußerlichkeit gegeben. Die Geschichte hat mich daher schnell mitgerissen und erforderte durch die sprachliche Konstellation ein erregendes Maß an Aufmerksamkeit. Der Spannungsbogen hat sich zum Ende hin ein wenig verloren, so dass mein Interesse etwas abschweifte. Dennoch fand ich, dass dieser Roman die ungeteilte Konzentration verdient hat und ich dann umso mehr herauslesen konnte. Vielleicht ist es für den einen oder anderen Leser doch etwas zu poetisch, das muss man wohl mögen.

Das Fazit
„Das Blütenstaubzimmer“ musste in unserer Redaktion einige Kritik einstecken: Der Roman sei zu trist und negativ, es fehle der Handlung an Höhepunkten und eine Wendung wurde schmerzlich vermisst. Während Nico die poetischen Formulierungen Jennys als treffend und geistreich empfand, war Christina vieles zu konstruiert und gewollt. Mit einem Ergebnis von lediglich 2,5 von 5 Sternen, platziert sich das Blütenstaubzimmer fernab der Top 3 unserer bisherigen Buchclub-Lesevergnügen. Damit folgt auch dieser Roman dem Schema der letzten Buchclub-Auswertungen, denn auch die letzten zwei gelesenen Werke „Siddhartha“ und „Der Tod in Venedig“ konnten unsere kritische Redaktion nicht überzeugen. Ob der Spitzenreiter „Herr der Fliegen“ jemals getoppt werden kann?

Ich lese, ich schreibe, ich leuchte mit Wort und Satz.

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