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Die_geliebten_Schwestern_1

Er gilt als einer der größten deutschen Literaten, schrieb sowohl bedeutende Dramen als auch hochgelobte Lyrik sowie Prosaerzählungen und war ein Freund Goethes. Unschwer zu erraten, um wen es sich handelt. Friedrich Schiller ist jedem ein Begriff – spätestens durch die Reclamhefte im Deutschunterricht. Doch vielleicht wissen wir weniger über den herausragenden Schriftsteller der Weimarer Klassik, als wir bisher angenommen haben? Das jedenfalls legt Dominik Grafs neuer Film „Die geliebten Schwestern“ nahe: Er macht uns mit Fritz bekannt, einem wild verwegenen, wenn auch kränklichen jungen Mann, der nicht nur für die Literatur lebt, sondern vor allem für die Liebe zu Frauen.

Im Sommer 1788 lernen die Lengefeld-Schwestern Friedrich Schiller kennen. Zu dritt verbringen sie einen unvergesslichen Sommer. Die schüchterne Charlotte und die unglücklich verheiratete Caroline verlieben sich in den aufstrebenden aber mittellosen Dichter und auch Schiller entwickelt Gefühle – für beide Frauen. Doch die Schwestern sind ein Herz und eine Seele und versprechen sich, alles miteinander zu teilen, so auch ihren geliebten Fritz. Gemeinsam schmieden sie einen Plan: Die Hochzeit zwischen Charlotte und Friedrich soll ihnen unter dem Deckmantel der Konvention eine Liebe zu dritt ermöglichen.

Eine Dreiecks-Geschichte im ausgehenden 18. Jahrhundert mit Schiller in der Hauptrolle – das klingt nach einem schlechten Film? Ist es aber nicht! Wir kennen Schiller als eifrigen Schreiberling, der gleichermaßen gegen Mittellosigkeit und Krankheit ankämpfen musste, bevor ihm der Ruhm zuteil wurde, der ihm und seiner Kunst rechtmäßig zustand. So oder so ähnlich wurde er uns in der Schule beschrieben und genauso erschien er in der letzten Verfilmung („Schiller“) aus dem Jahr 2005. Auch in „Die geliebten Schwestern“ erkennen wir bekannte Züge wieder, doch ist die Schwerpunktsetzung eine andere. Schillers Kunst flankiert den Film höchstens, auch spielt seine Beziehung zu Goethe eine untergeordnete Rolle. Vielmehr wird er aus weiblicher Sicht beleuchtet und erscheint als charismatischer, ungemein leidenschaftlicher junger Mann zum Verlieben, der sich trotz Geldsorgen und körperlicher Gebrechen jugendlich wild und vor allem romantisch gibt. So romantisch, dass er einen Harem um sich scharen könnte, wenn er wollte. Er schreibt chiffrierte Liebesbriefe, blickt mit seinen Liebsten in den Sonnenuntergang und stiehlt sich des Nachts heimlich in ihre Zimmer. Ob es wirklich so war, ist ungewiss, obwohl ein paar erhaltene Briefe darauf hinweisen. Und warum auch nicht? Vielleicht sollten wir die Idee zulassen, dass Schriftsteller auch nur Menschen sind, deren Leben nicht nur aus Arbeit besteht. Wie seine Dramen, allen voran „Die Räuber“ und „Kabale und Liebe“ beweisen, hatte Schiller durchaus eine rebellische wie romantische Ader.

Ich fürchte nichts – nichts – als die Grenzen deiner Liebe.

Doch egal, ob wahr oder nicht: „Die geliebten Schwestern“ ist eine ganz andere Schiller-Verfilmung. Sie ist romantisch, verwegen und irgendwie privater als die letzte. Zudem glänzt sie durch eine tolle schauspielerische Leistung von Hannah Herzsprung, Florian Stetter sowie Henriette Confurius und eine wechselnde authentisch wirkende Kulisse, was Schillerfans gefallen dürfte. Einzig der Spagat zwischen Spiel- und Dokumentarfilm mutet teils ungeschickt an. Die auffällig bunten Einblendungen von Jahreszahlen und Orten sollen scheinbar eine Brücke schlagen, erscheinen aber eher unpassend. Ebenso die monotone Erzählerstimme, die einen absolut unbeteiligten Ton anschlägt und die spannende wie dramatische Handlung immer wieder aufbricht, um sie in einen geschichtlich fundierten Rahmen zu pressen. Das hätte nicht sein müssen.

Svea
Neben der Welt der Literatur ist sie auch im digitalen Zeitalter zu Hause. Auf der heimischen Couch bevorzugt Svea den Klassiker aus Papier, unterwegs greift sie nach aktuellen Krimis im E-Book-Format. Doch auch den neuesten Blockbuster im Kino gilt es nicht zu verpassen. In der Rubrik CineLit vereint sie beide Welten.

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