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divergent

In einer fernen Zukunft muss sich die 16-Jährige Beatrice Prior, wie alle Jugendlichen in ihrem Alter, für eine Fraktion entscheiden. Ist sie selbstlos wie die Altruan, mutig wie die Ferox, schlau wie die Ken, ehrlich wie die Candor oder freundlich wie die Amite? Die gebürtige Altruan ist sich ihrer Bestimmung nicht sicher und das Ergebnis ihres Eignungstests gestaltet alles noch schwieriger. Der erste Band der dreiteiligen Romanreihe von Veronica Roth läuft seit 10. April in den deutschen Kinos. Werden Shailene Woodleys Schauspielkünste und das dystopische Szenenbild dem Bestseller-Jugendroman gerecht? Wir haben den US-amerikanischen Science-Fiction-Film der Romanvorlage gegenübergestellt.

Die ersten Bilder des Films lassen Großes erwarten: Die Kulisse des vom Krieg gezeichneten Chicago ist beeindruckend. Das Stadtbild setzt sich einerseits aus riesigen, geisterhaften Ruinen sowie Sumpflandschaften und andererseits aus neuen, gänzlich unterschiedlichen Stadtteilen zusammen, die von einer gespaltenen Gesellschaft zeugen. Genauso hat es die Autorin beschrieben. Leider bleibt das hohe Niveau des Szenenbilds nicht durchgängig erhalten. Den wichtigsten Handlungsorten, darunter die Altruansiedlung und das Hauptquartier der Ferox, mangelt es an Details, was sie unecht, halbfertig und teilweise sogar pappig erscheinen lässt.

Unter uns erstreckt sich die Sumpflandschaft, riesig, braun, überall, sie reicht bis in den Horizont, nirgendwo ein Zeichen von Leben. In der anderen Richtung liegt die Stadt, und in mancher Hinsicht ist sie ähnlich leblos, und auch ihre Grenzen kenne ich nicht.

Optisch hat Schauspielerin Shailene Woodley, welche die Hauptrolle innehat, wenig mit der im Buch beschriebenen Beatrice Prior gemein. Sie ist weder besonders klein, noch besonders blond oder unauffällig. Auf den ersten Blick mag sie zu süß erscheinen – Hollywood-geschönt eben – doch schafft sie es durchaus, sowohl als eingeschüchterte Beatrice als auch als selbstbewusste Tris, zu überzeugen. Allerdings bleibt anzumerken, dass der Film den Werdegang von einer selbstlosen jungen Frau zu einer gewaltbereiten, wenig mitfühlenden Kämpferin nur andeutet. Insgesamt wird die im Buch sehr präsente Gewalt und Brutalität in der Verfilmung merklich abgeschwächt.

Um seinen Kopf sehe ich Blut und zwischen seinen verkrampften Fingern ragt ein silberner Messergriff hervor […] Jemand hat ihm ins Auge gestochen.

Auch stellt der Film Tris‘ Beziehungen überwiegend nur oberflächlich dar. Insbesondere ihre Freunde Al, Will und Christina aber auch ihr Kontrahent Peter und ihr Bruder Caleb kommen zu kurz. Lediglich das Verhältnis zu Four wird eingehender beleuchtet, wobei jedoch auf die Liebesgeschichte fokussiert wird und die geheime Identität des Ausbilders eine untergeordnete Rolle spielt. Theo James und Shailene Woodley geben zudem ein eher gewöhnungsbedürftiges Paar ab. Während man Woodley ihre 22 Jahre kaum zugestehen will, sieht man James seine 30 Lenze durchaus an. Dass sich die Filmemacher nicht für einen typischen Hollywood-Schönling als männliche Hauptrolle entschieden haben, muss man ihnen jedoch zugute halten.

Positiv hervorzuheben ist, dass sich die Regisseure im Filmverlauf stark an der Romanvorlage orientiert und vergleichsweise wenige Szenen rausgelassen und abgeändert haben. Grenzwertig könnten Veronica Roths Leser  allerdings die Durchmischung der Fraktionen erleben, die einzelne Filmszenen zeigen. Die Abschottung, dem Motto „Fraktion vor Blut“ entsprechend, existiert vor allem im Buch. Ein echter Wermutstropfen ist allerdings, dass die Verschwörung im Film, anders als im Roman, trotz einer guten Kate Winslet vorhersehbar und dadurch etwas unglaubwürdig erscheint. Zu früh gerät Jeanine Matthews, die Vorsitzende der Ken, in den Fokus.

Das Fazit

Eine tolle Geschichte – sowohl im Buch als auch auf der großen Leinwand. Im Handlungsverlauf kommt der Film dem Roman erstaunlich nahe. Doch ist die Verfilmung viel offensichtlicher auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten als der Roman: Das Romanpersonal und teilweise auch die Handlung wirken im Film geradezu weichgespült. Ebenso lassen die Kulissen zum Teil Liebe zum Detail vermissen.

Ich lese, ich schreibe, ich leuchte mit Wort und Satz.

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