Anthologie „Zeitgeist 2020“: Autorenvorstellung II

Advent, Advent, das zweite Lichtlein brennt. Auch heute wollen wir euch unsere Anthologie „Zeitgeist 2020“ ans Herz legen, die alle Gewinnergeschichten unseres Schreibwettbewerbs aus dem Jahr 2018 beinhaltet. Am Nikolaustag haben wir euch bereits die ersten fünf Geschichten näher gebracht, am heutigen zweiten Advent erfahrt ihr alles über die nächsten drei Geschichten, die wir der Kategorie „Altruismus & Menschlichkeit“ zugeordnet haben.

Teil II der Anthologie: Altruismus & Menschlichkeit

Im zweiten Teil stehen tragische Verhältnisse der Menschlichkeit auf dem Spiel. Dabei werden Szenarien dargestellt, in denen Menschen jedweder (willkürlichen) Zugehörigkeit Unterstützung suchen – mit der Folge, dass Helfer unbeabsichtigten Konsequenzen gegenüberstehen. Eine Entscheidung muss gefällt werden, ob man ausgrenzen oder ausgegrenzt werden will. Hier wird deutlich, dass der aktuelle Zeitgeist sich aus gegensätzlichen Seiten versteht, die sich weiter und weiter voneinander entfernen.

Lampionfest von Michael Leuchtenberger

Was ist, wenn die Leute die man schon viele Jahre kennt, sich plötzlich gegen einen stellen? Genau das passiert Judith und ihrem Mann auf dem Campingplatz. Beim Lampionfest wird ein Konflikt ausgetragen, der entsteht, weil verschiedene politische Meinungen aufeinandertreffen. Judith muss sich entscheiden, was ihr wichtiger ist: Ihre eigene Haltung oder die Beziehung zu den Leuten, die sie schon so lang kennt.

Michael Leuchtenberger

Wie passt die Geschichte zum Thema?

„Die Frage, wie Gesellschaften mit Migration umgehen und wie einzelne Menschen dazu stehen, droht manchmal sogar Freundeskreise und Familien zu zerreißen.Vorurteile und Rassismus treten offener zu Tage als noch vor zehn-zwanzig Jahren. So manche heile Welt kann daran kaputtgehen.“

Michael Leuchtenberger, Jahrgang 1979, studierte zunächst Germanistik und Anglistik mit Schwerpunkt Literaturwissenschaft. 2015 entschied er sich nach einigen Jahren der Redakteurs- und PR-Tätigkeit für einen beruflichen Wechsel und begann ein Studium der Sozialen Arbeit. Parallel absolvierte er einen Kurs für Kreatives Schreiben, aus dem mit „Caspars Schatten“ sein erster Roman hervorging, den er im Oktober 2018 über Books on Demand veröffentlichte. Aktuell arbeitet er unter anderem an einer Kurzgeschichten-Sammlung mit dem Titel „Derrière La Porte“, die für Herbst 2019 geplant ist.

Flucht von Patrick Zimmerschied

Wie ist es, auf der Flucht zu sein? In der Kurzgeschichte Flucht begleiten wir eine syrische Familie, bestehend aus einem Mann, seiner schwangeren Frau und ihrer Tochter, auf dem Weg über die Grenze. Unterstützt werden sie von Michail, der ihnen hilft und versucht, sie vor Kopfgeldjägern zu schützen. Doch die Flucht ist gefährlich und verläuft anders als geplant.

Patrick ZimmerschiedWie passt die Geschichte zum Thema?

Seit 2014 lebe ich in Griechenland und habe hier den Beginn und die Entwicklung der Flüchtlingskrise unmittelbar miterlebt. Zusammen mit anderen Freiwilligen habe ich Menschen in einem Flüchtlingslager mit gespendeter Kleidung versorgt. Durch meine entsprechenden Erfahrungen wurde ich inspiriert eine Dystopie mit diesem Hintergrund zu verfassen. Der Zeitgeist 2020, und noch lange Zeit danach, wird durch die Spannungen geprägt sein, die diese Migrationsbewegungen in unserer Gesellschaft erzeugen. Es ist schwierig, was richtig und was falsch ist, in abstrakten Prinzipien festzuhalten. Aber das Leid in unserer persönlichen Lebenswirklichkeit zwingt uns eine moralische Verantwortung auf, die so mächtig ist, dass kein Zweifel mehr an ihrer Wahrheit bestehen kann.“

Patrick Zimmerschied wurde 1982 in Wetzlar geboren. Seine Gedichte sind erstmals 2006 bei der Zeitungsgruppe Lahn-Dill (damals mit fast 80.000 Lesern) abgedruckt worden. Im gleichen Jahr wurde auch seine erste Kurzgeschichte in eine Anthologie aufgenommen. Während seines Studiums verlagerte sich dann seine Schreibtätigkeit in den akademischen Bereich. Nach seinem Abschluss in Philosophie und Politikwissenschaft veröffentlichte er wieder vermehrt Kurzgeschichten. In unregelmäßigen Abständen hat er auch für verschiedene Zeitschriften geschrieben und bei Gelegenheit publiziert er Beiträge in seinem Blog.

Weniger ist mehr von Kaia Rose

Gute Argumente können die eigene Meinung durchaus mal ins Wanken bringen. Prekär wird es, wenn nicht nur eine  Meinung geändert, sondern eine ganze Gesinnung infrage gestellt wird. So ergeht es der Protagonistin der Geschichte Weniger ist mehr, die eigentlich einen jungen Flüchtling bei sich aufnehmen wollte, im Gespräch mit ihrer Freundin, aber immer mehr verunsichert wird.

Kaia Rose

Wie passt die Geschichte zum Thema?

„Die Idee zu der Satire „Weniger ist mehr“ entstammt dem realen weltpolitischen Geschehen der letzten Jahre und der Reaktion unserer Wohlstandsgesellschaft darauf. Es geht um die Heuchelei einer Gesellschaft, die sich in Menschlichkeit zwar versucht, aber an ihrer eigenen Bequemlichkeit scheitert. Das ist durchaus auch selbst kritisch zu verstehen–nicht zufällig spielt die Geschichte in meiner eigenen Wohnung.“

Anno 1974 erblickte Kaia Rose in Wien das Licht der Welt, studierte später Rechtswissenschaften und ist seit langem als Juristin im Gesundheitsbereich tätig. Auch privat kann sie nicht über Langeweile klagen: Seit ihr drittes Kind überraschend im Doppelpack kam, lebt sie in einem turbulenten Sechs-Personen-Haushalt.

Die Anthologie

Zeitgeist 2020 Cover

Die Anthologie ist ab sofort für 12,95 € bei Epubli erhältlich.

In Kürze auch im Buchhandel und auf Amazon.

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