Anthologie „Zeitgeist 2020“: Autorenvorstellung I

Heute zum Nikolaus haben wir eine tolle Überraschung für euch. Sucht ihr noch ein passendes Weihnachtsgeschenk für eure literaturbegeisterten Freunde oder Familienmitglieder? Dann wollen wir euch euch unsere Anthologie „Zeitgeist 2020“ ans Herz legen, die alle Gewinnergeschichten unseres Schreibwettbewerbs aus dem Jahr 2018 enthält. In den nächsten Wochen werden wir euch nach und nach die Gewinner und ihre Geschichten vorstellen. Am heutigen Nikolaustag erfahrt ihr alles über die ersten fünf Geschichten, die wir der Rubrik „Körper & Geist“ zugeordnet haben.

Teil I der Anthologie: Körper & Geist

Der erste Teil der Anthologie widmet sich der körperlichen Seite unserer Zeit, mit ihren physischen und geistigen Tiefen. In den verschiedenen Geschichten geht um Identität, darum was es heißt, einer bestimmten Gruppe anzugehören, und darum wie die Gesellschaft mit ihren Facetten umgeht. All diese Geschichten heben einen Aspekt direkt oder indirekt hervor, der sich als ein Kernstück des Zeitgeists 2020 verstehen lässt: das Individuum als zentraler Ausgangspunkt für die verschiedenen körperlichen und geistigen Fragestellungen. Es ist auf der Suche nach Identität und findet diese nicht in der Gemeinschaft, sondern muss sie mit sich selbst ausmachen.

G. analysis von Gesa Hara

In G. anlysis begibt sich eine Frau auf die Suche nach ihren Wurzeln, ihrer Geschichte und ihrer eigenen Identität. Mithilfe einer Frage und einem Institut für Humangenetik will sie die Wahrheit über sich selbst herausfinden.

Wie passt die Geschichte zum Thema?
„Die Zukunft zu befragen und das eigene Schicksal zu kennen, hat Menschen seit jeher beschäftigt. Das Orakel unserer Zeit ist der eigene genetische Code. Was es für den einzelnen Menschen bedeutet, diese Orakel in sich ans Licht zu holen, schlummert meines Erachtens jenseits aller breitgeführten ethischen Diskussionen noch unbewusst im ,Geist unserer Zeit‘.“ (Gesa Hara)

Gesa Hara wurde in Essen geboren, schreibt, lehrt und lebt nach einem Studium der Germanistik und Politikwissenschaft in Freiburg und Wien nahe Freiburg. Obwohl sie seit ihrer Jugend ihr Leben schreibend begleitet, ist der Beitrag zum Wettbewerb Zeitgeist 2020 ihr erstes Bemühen um eineVeröffentlichung. In ihren Texten spiegelt sich ihr persönliches Leben sowie die Zeit, in der sie lebt. Sie möchte ausdrücken, was dabei über sie selbst hinausreicht.

Geschlecht 2.0 von Sofie Steinfest

Was wäre, wenn es keine Einteilung in Geschlechter mehr gäbe? Dieser Frage wird in Geschlecht 2.0 nachgegangen. In der Geschichte erfolgt 2019 die Epigenetik-Wende, die die Einteilung in Geschlechter als willkürlich bestimmt.

Sofie Steinfest

Wie passt die Geschichte zum Thema?

„Anlässlich der Litopian-Ausschreibung habe ich gerne darüber nachgedacht, was am Zeitgeist dieses Jahrzehnts besondere Beachtung verdient. Aus meiner Sicht gehört die Geschlechtergerechtigkeit zu den wichtigsten Herausforderungen. Ich habe dies in der Vorstellung zugespitzt, die Einteilung in Geschlechter wäre als menschenrechtswidrig eingestuft. Eine Utopie erlaubt Gedankenexperimente, die – so hoffe ich – befreiend wirken können. Ich denke an Hilde Domin und ihre Gedichtzeile ‚Die Welt hochwerfen, damit der Wind hindurchfährt‘. Ich wünsche mir, dass es Literatur gelänge, Hingabe wie Leichtigkeit vorzuleben.“

Sofie Steinfest wurde 1972 in Wien geboren. Sie hat Studienabschlüsse in Biologie und Philosophie, machte eine Ausbildung in Gestaltpsychotherapie und arbeitete unter anderem im Europäischen Parlament. Sie lebt mit ihren drei Kindern bei Heidelberg und ist im öffentlichen Dienst tätig. Literarische Veröffentlichungen von ihr gab es bereits ab 1996 in Zeitschriften und Anthologien, nach längerer Pause wieder seit 2018.

Junges Blut von Isabel Folie

Ein langes, gesundes Leben – in Junges Blut versuchen sich die Reichen den Traum von ewiger Gesundheit mithilfe von Blutransfusionen zu erfüllen. Als diese Blutspenden, die hauptsächlich von jungen und deutlich ärmeren Menschen stammen, dank der Aktivistin Patrizia Kohlman für illegal erklärt werden, versucht man sie mit Intrigen zu stürzen.

Isabel Folie

Wie passt die Geschichte zum Thema?

„Die Idee für die Geschichte kam mir eines Morgens, als ich mit meinem Hund spazieren ging und dabei einen Podcast hörte, in dem es über die Vorteile von Bluttransfusionen von jungen Menschen ging, eine Praktik, die gegenwärtig in einigen erlesenen, sehr gut betuchten Kreisen bereits üblich ist. Ausgehend von der Bereitschaft einiger Menschen, einen extrem hohen Preis für solch eine Bluttransfusion zu zahlen, spann ich den Gedanken fort und malte mir aus, wie die Welt wäre, wenn 2020 solche Transfusionen zum normalen Alltag gehören würden, welche Gruppen davon Vor-und welche Nachteile hätten und zu welchen sozialen Ungleichheiten dies führen könnte. Reale Orte haben meine Geschichte nicht direkt beeinflusst, wohl aber wahre Begebenheiten.“

Isabel Folie studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaften. Sie arbeitete als freie Texterin, PR-Assistentin und als Online-Redakteurin, bis sie sich 2018 dazu entschloss, sich ganz dem Schreiben zu widmen und nebenbei ein Studium der Theater-, Film und Medienwissenschaften an der Universität Wien sowie ein Studium am Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien zu beginnen.

Rosas Wahn von Eva Kolostori

Rosa ist 47 Jahre alt und eine selbst erklärte Ökochonderin. Sie hat panische Angst vor einer Vergiftung durch chemische Substanzen, die ihr im Alltag begegnen könnten. Ihre Informationen findet sie vor allem mithilfe von Suchmaschinen im Internet und sie stöbert mit Vorliebe in Foren.

Kolostori

Wie passt die Geschichte zum Thema?

„2020 – Wir leben nicht nur im Zeitalter der Digitalisierung, derGlobalisierung, des Klimawandels und der Umweltverschmutzung. Wir sind auch im Zeitalter der Einsamkeit (Individualisierung) und einer neu aufkeimenden Volksseuche, der Angst, gelandet. Das Internet ist voll von diffusen Ängsten. Immer mehr Menschen leiden an psychischen Erkrankungen und werden von Angst- und Panikattacken gequält. Ich wollte mit meinem Text einen Denkanstoß liefern. Weil, wenn unsere marode Erde die Umweltverschmutzung, die Überbevölkerung und den Klimawandel überlebt, so wird, wenn nicht bald ein Umdenken stattfindet, der eine Teil der Welt an Wasserarmut, Hunger und unserem Müll zu Grund gehen, während wir Wohlstandsbürger unseren psychischen Erkrankungen, der Angst, der Sprachlosigkeit und der zunehmenden Einsamkeit hilflos ausgeliefert sein werden.“

Eva Kolostori ist 57 Jahre alt und lebt in Wien. Sie hat sehr lange als Journalistin gearbeitet, hat aber hauptsächlich kurze Veranstaltungshinweise geschrieben. Als das große Zeitungssterben begann, hat sie sich zur Kinder- und Jugendbetreuerin ausbilden lassen. Ein Beruf, der ihr sehr viel Freude macht.

Die Ministerin für Einsamkeit von Loredana Monte

In Die Ministerin für Einsamkeit besucht ein älterer Mann das Ministerium für Einsamkeit und verliert sich dabei immer mehr in seiner eigenen Fantasiewelt.

Loredana Monte

Wie passt die Geschichte zum Thema?

„Die Idee schlummerte schon eine Weile in mir, nachdem anfangs 2018 verschiedene Zeitungen berichteten, dass Grossbritannien als erstes Land der Welt ein Ministerium für Einsamkeit hat. Ich denke leider, dass dieser Zeitgeist kein vorübergehender Spuk ist. Wir stehen vor überalternden Gesellschaften, in denen die «Unproduktiven» immer weniger «gebraucht» werden. Wenn ich darin eine Botschaft vermitteln wollte, wäre es die: Besucht eure Großeltern, (Groß-)Tanten und -Onkel, Eltern, … so oft wie möglich und fragt sie alles, was euch einfällt. Irgendwann werden sie und ihre Geschichten nicht mehr da sein. Das wurde mir schmerzlich bewusst, als meine letzte Großmutter 2015 verstarb. Mit ihr verschwanden eine Familienära, Zeitzeugnisse, ihr unvergleichlicher Humor und die besten umbrischen Kochrezepte.“

Loredana Monte wurde 1980 in Zürich geboren und ist italienischer Herkunft. Sie studierte Geographie und Anthropologie in Bern sowie Gender Studies und Public Health in Kapstadt, Südafrika. Sie lebte sechs Jahre in Südafrika und hat auch in Italien gelebt und gearbeitet. Da eine Aufzählung ihrer bisherigen Tätigkeiten den Umfang sprengen würde, nennt sie ihren Beruf „Formwandlerin“.

Die Anthologie

Zeitgeist 2020 Cover

Die Anthologie ist ab sofort für 12,95 € bei Epubli erhältlich.

In Kürze auch im Buchhandel und auf Amazon.

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