10 Fragen an … Autorin Heike Wolf

Eine weitere Indie-Autorin erzählt uns von ihrem Alltag als Selbstverlegerin: Heike Wolf stammt aus Belgien, hat in Jena studiert und schreibt Sachbücher für Expatriates sowie historische Romane. Hier sind ihre Antworten auf unsere 10 Fragen:

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, es war immer Teil meines Lebens. Schon als Sechsjährige schrieb ich kleine Gedichte und Geschichten, mit elf begann ich mit dem ersten historischen Roman (aus purer Not, weil wir im Urlaub waren und ich alle mitgebrachten Bücher durchgelesen hatte), der natürlich literarisch nur den Schreibversuchen einer Elfjährigen entsprach. Aber er war tatsächlich die Wurzel für eine später geschriebene, in den USA spielende Familiensaga.

Kannst du uns dein Buch kurz vorstellen?

Die Schönau-Saga, bestehend aus „Bürgerin aller Zeiten“ und „Des Lebens labyrinthisch irrer Lauf“ ist die Geschichte einer Leipziger Familie zwischen 1913 und 1957, eingebettet in eine 1989 spielende Rahmenhandlung. Sie ist angeregt durch meine eigene Familiengeschichte. Die Schönaus sind Vertreter des Bildungsbürgertums, die aus den gemütlichen Zeiten der Kaiserzeit in den Strudel der historischen Entwicklungen gerissen werden. Die Hauptperson Charlotte (Lotte) wird am 9. November 1909 geboren und erlebt zusammen mit ihren Geschwistern und Eltern die Hungerzeit des Ersten Weltkrieges und die unruhigen Jahre der Weimarer Republik. Sie muss in der Zeit der Nazidikatur schwere Entscheidungen treffen, während ihr Bruder sich dem Regime andient und ihre Schwester den Weg in den Widerstand geht. Die Nachkriegsjahre im sowjetisch besetzten Leipzig und der Anfangszeit der DDR stellen sie und ihre Familie dann vor weitere Schwierigkeiten.

Ich wollte zeigen, wie sehr gerade jene turbulente Zeit des letzten Jahrhunderts das Leben ganz normaler Menschen beeinflusst, durcheinandergewirbelt, und oft genug auch zerstört hat. Geschichte schreibt meines Erachtens die besten Geschichten.

Wie bist du zu deiner ersten Veröffentlichung gekommen? Welchen Weg hast du genutzt?

Ich bin sofort über das Self-Publishing gegangen. Mein erstes publiziertes Buch war ein Ratgeber für Expatriates, die nach Deutschland kommen (entstanden aus meiner Arbeit in diesem Bereich). Ich habe aufgrund des sehr spezifischen Themas bei diesem Buch direkt internationale Firmen kontaktiert, bin damals also gar nicht über Amazon, BoD oder ähnliche Anbieter gegangen. Erst später habe ich das Buch dann über Amazon publiziert und angeboten.

Bei der Schönau-Saga habe ich mich auch für das Self-Publishing entschieden – zuerst über Amazon, weil ich immer wieder hörte, dass der stationäre Buchhandel ohnehin keine Self-Publisher ins Programm nehmen würde (wie ich heute weiß, stimmt das nicht uneingeschränkt). Als ich feststellte, dass es Leser gab, die das Buch gerne über den stationären Buchhandel bestellen würden und ich als Leser selbst diese Art des Buchhandels vorziehe, bin ich zu BoD gewechselt.

Inwiefern haben dich die unterschiedlichen Bereiche beim Self-Publishing (Covergestaltung, Marketing) vor neue Herausforderungen gestellt?

Das Cover des Sachbuches habe ich von einer professionellen Gestalterin machen lassen und bin damit sehr zufrieden. Für die Schönau-Bücher habe ich die Cover selbst entworfen, was aber durchaus eine Herausforderung war. Ich habe authentische alte Familienfotos verwendet, mich sehr ausgiebig mit Grafik- und Publishersoftware beschäftigt, weil mir bewusst war, dass die Covergestaltung bei selbstverlegten Büchern häufig ein Kritikpunkt ist. Die Rückmeldungen zu diesen Covern sind sehr positiv, was mich freut.

Die größte Herausforderung ist das Marketing, da es eine Offensivität erfordert, die mir nicht liegt. Zuerst wollte ich sicherstellen, dass meine Bücher überhaupt gut sind – man selbst findet das eigene Buch-Baby natürlich wundervoll, sonst hätte man es ja nicht so geschrieben. Sich dem Urteil der Leser (ich habe hierzu eine Lovelybooks-Leserunde gewählt) zu präsentieren, war eine Mutprobe. Deren erfolgreiches Resultat war dann der Ansporn, immer wieder über meinen Schatten zu springen (Lesungen, Kontaktieren von Zeitungen und Buchhandlungen).

Welche Vorteile siehst du in dem Weg, den du gewählt hast?

Die Entscheidungsfreiheit und die Notwendigkeit, sich immer mit neuen Themen auseinanderzusetzen und dazuzulernen.

Wie strukturierst du deinen Tagesablauf?

Nicht sonderlich fest, mehr meiner jeweiligen Stimmung und Gewohnheit nach. Der Morgen dient eher der Recherche, da ich Abendmensch bin und deshalb auch erst später am Tag kreativ tätig werden kann. Bei schönem Wetter werden auch schon mal alle Pläne über den Haufen geworfen, denn dann geht es zum Wandern in den Wald und dort kann ich Szenen gedanklich am besten ausarbeiten. Wenn ich dagegen im Schreibfieber bin, kann ich aber auch eine Woche fast alle wachen Stunden durch ununterbrochen schreiben.

Kannst du vom Schreiben leben?

Nein, ich habe aber neben dem Schreiben noch eine weitere Arbeit, die ich sehr liebe (als interkulturelle Trainerin) und die mir durch die Freiberuflichkeit viel Flexibilität gibt. Der durch das Schreiben verdiente Teil meines Einkommens wächst aber kontinuierlich.

Welche Plattformen und Social Media-Kanäle nutzt du? (Und warum?)

Ich habe einen Blog, der sich mit geschichtlichen Themen und Büchern beschäftigt und auch aus meinem Autorenleben und meinen Büchern berichtet. So können an diesen Themen interessierte Leser zu meinen Büchern finden, ich kann zudem weitere Hintergrundinformationen geben. Ich habe in den Leserunden gemerkt, wie viele Leser sich für die in meinen Büchern behandelten geschichtlichen Themen interessieren und ihr diesbezügliches Wissen gerne vertiefen möchten. Außerdem schreibe ich einfach zu gerne über Geschichte und verfasse ebenfalls mit Hingabe Rezensionen – auf dem Blog kann ich mich da hemmungslos ausleben!

Ich bin weiterhin auf Twitter (https://twitter.com/AutorHeikeWolf) und Instagram (www.instagram.com/heike_wolf_autorin/). Beide sind auch für den Austausch mit anderen Autoren richtig prima und man kann recht gut Leute erreichen, die gerne lesen und sich für die gleichen Themen interessieren. Außerdem kann ich dort üben, mich kurz zu fassen – wie man hier sieht, ist das nicht unbedingt meine Stärke.

Gibt es neue Buchideen oder -projekte, die du in Angriff nehmen möchtest?

Momentan übersetze ich meine amerikanische Familiensaga (die ich damals auf Englisch geschrieben habe) ins Deutsche. Nebenbei recherchiere ich für einen in Frankfurt spielenden Roman – hier wird der Fokus nicht eine einzige Familie sein, sondern ein Haus mit seinen diversen Bewohnern und Schicksalen in der Zeit zwischen 1805 und 1945. Ich frage mich beim Anblick alter Häuser oft, was diese erzählen würden, wenn sie es könnten. Erste Szenen habe ich schon gedanklich entworfen und nun ist endlich auch wieder Wanderwetter, also werde ich in unseren herrlichen Taunuswäldern die einzelnen Handlungsstränge weiter im Kopf ausarbeiten.

Kannst du den Weg, den du gewählt hast, weiterempfehlen?

Ja, sofern man bereit ist, sich in neue Themen einzuarbeiten, über den eigenen Schatten zu springen und zu erkennen, was man selbst machen kann und was man Fachleuten übergeben sollte. Für mich ist es eine tolle, umfassende Erfahrung, die weit über das Schreiben hinausgeht und mir zudem unglaublich bereichernden Austausch mit wundervollen Autorenkollegen eingebracht hat.

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