Wie Lektor und Autor erfolgreich zusammenarbeiten

Die Angst vor dem Lektor! Sie bezwingt junge Autoren und ermächtigt sich ihres Selbstvertrauens – schließlich weiß der Lektor doch, was er tut. So würde man es sich zumindest wünschen. Jedoch scheint sich das Geschick von Lektoren ebenso der Normalverteilung anzunähern wie die Giftmenge bei Schlangen. Mit einigen stimmt die Chemie, mit anderen weniger.

Umgekehrt lassen einige Autoren an Professionalität wünschen und behüten ihren Schatz, als wäre er der Ring der Macht. Doch kein Werk ist perfekt, schon gar nicht vor einer (zahlreichen!) gründlichen Überarbeitung. Damit du dein Werk gemeinsam mit deinem Lektor mit neuem Glanz versehen kannst, präsentieren wir hier einige Fallstricke bei der Zusammenarbeit zwischen Autor und Lektor.

Was Autoren vom Lektor erwarten können

1. Achtsamkeit

Ist schon unangenehm, wenn bei der Kontinuität etwas nicht stimmt und die Leser sich anschließend beschweren. Erst kürzlich fand ein Leser eine Stelle in einem meiner Lektorarbeiten, bei der ein Charakter den Namen einer Person kannte, bevor diese ihr vorgestellt worden war. Ups! Das sollte einem aufmerksamen Lektor natürlich auffallen. Was ein Lektor allerdings niemals tun sollte, ist selbst Fehler einbauen. Wenn das passiert, hast du allen Grund zur Verärgerung.

2. Würdigung

Eine Geschichte zu Papier zu bringen ist eine unglaubliche Leistung und sollte nicht vom Lektor gering geschätzt werden. Lektoren reden also besser nicht davon, ein Manuskript zu optimieren oder aufzuräumen. Dass sie Vorschläge machen, ist ohne Frage – aber alles sollte der Vision des Autors entsprechen. Die Aufgabe des Lektors ist nicht, das Werk nach seinen Vorstellungen zu verändern, sondern dem Autor unterstützend zur Schreibhand zu gehen.

Das beinhaltet auch den Ton der Kommunikation. Es ist leicht für uns Lektoren, das Werk als unser Baby zu betrachten, doch das ist es nicht – dementsprechend sind Forderungen fehl am Platz und Vorschläge maßgebend. Änderungen werden nicht diskutiert, denn das finale Wort gehört immer dem Autor. Das schlimmste, was ein Lektor tun kann, ist die Wünsche des Autors zu ignorieren.

3. Zurückhaltung

Es heißt „Das Werk des Autors“ nicht „Das Werk des Autors und des Lektors“. Als Lektoren versuchen wir, dem Autor zu helfen, sein Werk selbst zu verbessern. Dabei sollten wir also größtmögliche Zurückhaltung an den Tag legen, wenn es um Änderungen geht, damit wir nicht unsere eigene Art und Weise einfließend lassen. Nur weil mir etwas besser gefällt, heißt es nicht, dass es die Vorstellung des Autors trifft – oder dass es die Story allgemein besser machen würde. Eine Inspektion der Kripo sollte am Ende keine meiner Fingerabdrücke finden können – wir Lektoren sind die genialsten Einbrecher, geräuschlos und spurenlos.

4. Inhalt vor Grammatik

Als Linguist habe ich viel zu häufig mit der Diskussion zu tun: „Aber im Duden steht, dass es [so und so] richtig ist.“ Rechtschreibung ist ein Konstrukt, dessen einziges Ziel es ist, die Verständigung zu erleichtern. Es gibt kein Gesetz, dass einem einen Großbuchstaben in „Fehler“ vorschreibt. Ähnlich der Arbeit des Lektors ist die Schreibung unterstützend tätig. Daher sind Autoren frei darin, ihre eigenen Vorstellung zu verwenden, wenn es eine bewusste Entscheidung ist. Lektoren/Korrektoren helfen, die unbewussten „Fehler“ zu korrigieren – damit der Leser am Ende unbeschwert von Wort zu Wort und durch den Satzfluss geleiten wird. Lektoren haben sich also auch hier zurückzunehmen, damit sie dem Autor nicht ihre eigenen Präferenzen aufdrücken.

Was Lektoren vom Autor erwarten

1. Kommunikation

Autor, was willst du? Damit Lektoren ihre Autoren erfolgreich unterstützen können, müssen sie wissen, welche Erwartung an ihre Arbeit gesetzt wird. Es ist frustrierend für uns Lektoren, wenn wir uns auf Dinge konzentrieren, die der Autor auf keinen Fall verändert haben wollte – und frustrierend für den Autor ebenso. Autoren sollten gleich von Beginn an klar formulieren, was sie sich vom Lektor wünschen. Insbesondere, wenn sie bewusst mit Konventionen brechen. Lektoren sind keine Maschinen, die jedes Manuskript durch die Mühle jagen und stets dasselbe Ergebnis präsentieren; nein, wir betrachten jede Arbeit anders, je nachdem, was der Autor und das Werk brauchen. Auch während des Prozesses der Zusammenarbeit ist es wichtig, stets deutlich zu machen, was von uns erwartet wird – nur so können wir ein Gefühl für die Wünsche des Autors bekommen und eventuelle Versäumnisse angehen. Insbesondere Unzufriedenheit muss geäußert werden, und zwar in anständigem Ton – es bringt nichts, wütend auf den Lektor zu sein, nur weil er seine Arbeit gemacht hat. Denk daran, wir wollen nur helfen.

2. Harte Arbeit

Es gibt immer wieder Autoren, die mit der Vorstellung in die Zusammenarbeit gehen, dass der Lektor schon alles richten wird: Plotmängel, macht der Lektor; Rechtschreibung, macht der Lektor; schwache Charaktere, macht der Lektor. Nein, das ist die Aufgabe des Autors. Wir erwarten, dass der Autor sein bestes gibt, und dazu gehört auch Rechtschreibung. Schlechte (unbewusste) Rechtschreibung sorgt erstens dafür, dass wir von den wichtigen Dingen abgelenkt werden und so eventuelle Plot twists nichts entdecken, zweitens dient die Schreibung der Story und wenn ein Autor diese nicht gewinnbringend für sich einsetzen kann, wird die allgemeine Qualität der Geschichte darunter leiden, und das kann kein Lektor einfach richten.

Das gilt im Übrigen auch für die Überarbeitung. Wenn dein Lektor mühselig jeden Satz durchgegangen ist und dir Kommentare hinterlassen hat, dann solltest du dir auch die Zeit nehmen, diese gründlich durchzugehen. Nicht jede Änderung kann dabei einfach „angenommen“ werden. Vor allem bei Hinweisen zu Satzbau, Point of View oder Charakteraufbau etc. ist deine Arbeit als Autor gefragt, was üblicherweise viel Zeit in Anspruch nimmt. Nur so wird das Werk dein bestes Werk.

3. Rücksichtnahme

Es gibt einen Grund, warum Lektoren deine Arbeit durchgehen. Daher erwarten wir, dass du unsere Vorschläge wenigstens in Erwägung ziehst. Nicht jeder Vorschlag wird dir zusagen, aber diese zweite Perspektive ist gerade das, womit Lektoren dienen sollen – daher steht im Vordergrund immer die Frage „hilft es der Story“, und nicht, „will ich das als Autor“. Störrigkeit ist hier nicht der richtige Ansatz, damit eine Zusammenarbeit funktionieren kann.

4. Durchhaltevermögen

Niemand setzt sich hin, schreibt ein Buch in ein paar Wochen und hat das perfekte Werk. Es kursieren immer wieder Gerüchte, dass jemand seine Geschichte einfach runtergeschrieben hat (Umberto Eco z. B.), doch dabei vergessen die Leute, dass dafür monatelange Planung und akribische Arbeit von Nöten war. Und das ist hart. Halte durch! Gib nicht auf! Wir stehen dir zur Seite, aber wir können nichts tun, wenn du aufgibst. Ein Buch zu schreiben braucht Geduld. Mit jeder Story wächst du heran, gewinnst wertvolle Fähigkeiten – trotzdem bleibt es „Arbeit“. Arbeit, die dich am Ende des langen, harten Kampfes unglaublich glücklich machen wird.

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