Story planen – mit 6 Methoden zum Erfolg

Wer nicht schon mitten im NaNoWriMo-Fieber ist und fleißig seine täglichen 1666 Wörter ins Papier brennt, der plant vielleicht gerade seine Kurzgeschichte zum Thema Zeitgeist 2020 für unseren diesjährigen Schreibwettbewerb. Zweckunabhängig unterstützen wir die nächste große Geschichte mit einem Überblick über einige Schreibmethoden, mit denen sich eine neue Story planen lässt.

1. Das Schreiben planen

Die ersten drei Methoden helfen primär bei der Herangehensweise des Planungs- und Schreibprozesses. Sie lassen sich auch sehr gut mit den Methoden, die den Inhalt in den Fokus nehmen (siehe unten), kombinieren.

Free-flow Planung

In der Free-flow Variante der Story-Planung ist der Weg von der Grundidee zum Handlungsstrang kreative Kopfarbeit ohne vorgegebene Hilfsmittel. Das verleiht Flexibilität, öffnet allerdings auch Falltüren, die es gekonnt zu umgehen geht. Je komplexer das Schreibprojekt, desto schwieriger kann es werden, den Überblick zu behalten.

Free-flow bedeutet, dass die Story im Ganzen zusammengefasst wird. Die Geschichte wird also einmal komplett niedergeschrieben – stark gekürzt und handlungsorientiert. Diese Planung schafft einen groben Fahrplan, der meist noch abgewandelt wird.

Klassische Planung

Ähnlich wie bei der Free-flow Planung ist die klassische Planung anfällig für Verstrickungen. Die grobe Einteilung der Geschichte verleiht jedoch bereits einen besseren Gesamtüberblick, der dabei hilft, Inkonsistenzen und Widersprüche auszumachen. Diese Variante ist ein guter Kompromiss zwischen strikter Planung wie bei den folgenden Methoden und freiem Workflow.

Bei dieser Methode wird die Story vorerst grob zusammengefasst und dabei in Abschnitte geteilt. Bei einem Buch eignen sich zum Beispiel die Kapitel. Anschließend geht es daran, jeden Abschnitt durchzuplanen. Dabei können bereits geplante Abschnitte frei überdacht, geändert und ausgebaut werden, was meist auch im Laufe des Schreibprozesses notwendig wird (abhängig davon, wie detailliert die Planung ist).

Die Snowflake-Methode

snowflakesErst vor kurzer Zeit ist die Snowflake-Methode inmitten unserer Schreibgruppe gelandet und hat sogleich begeisterte Anhänger gefunden. Diese Methode eignet sich vor allem für lüsterne Planer, die am liebsten die Geschichte schon fertig durchdacht haben, bevor es ans Schreiben geht. Genau daher eignet sich die Methode sehr gut für die Vorbereitung des jährlichen NaNoWriMo-Wettbewerbs.

Snowflake steht für 10 aufeinander aufbauenden Schritte, mit denen wie bei einer Schneeflocke das Gerüst immer detaillierter vervollständigt wird. Vom Kern ausgehend entsteht so die grobe Story, dann die feingliedrigeren Handlungsbögen, gefolgt von den Charakteren bis schließlich Szene für Szene durchgeplant wird. Am Ende fehlt tatsächlich nur noch die eigentliche Schreibarbeit, bei der man sich am Plot entlanghangeln kann.

Mehr über die 10 Schritte in unserem Artikel zur Snowflake-Methode

2. Den Inhalt planen

Jeder plant auf andere Weise, die einen mehr von der handwerklichen Seite, die anderen handlungsbasiert. Im Folgenden widmen wir uns der inhaltlichen Herangehensweise.

Freytags Modell

In der Dramaturgie ist Freytags Modell ein traditioneller Aufbau eines Handlungsstrangs. Eine Handlung besteht in diesem Modell aus 5 Punkten, die sich in einem Spannungsbogen ansammeln. Nach der Exposition steigt die Handlung über ein erregendes Moment zum Höhepunkt, wonach die Handlung über einen retardierenden Moment abfällt und in der Katastrophe ended.

Den Aufbau ist viel diskutiert und kann auf Webseiten über Freytags Modell ergründet werden

Die Heldenreise

Wohingegen Freytags Modell alle Freiheiten offen lässt, um Flexibilität in die Geschichte einzubauen, restringiert die sogenannte Heldenreise-Methode stark. Dafür verspricht sie bei korrekter Anwendung eine funktionierende Storyline. Der Weg des Helden beschreibt einen (angenommene) universellen Handlungsstrang eines jeden Protagonisten, der vor allem in Hollywood großen Anklang fand. So halten sich vor allem die ersten Star Wars Filme akribisch an die Heldenreise.

Demnach sollte eine Handlung sich in drei Akte und 12 Abschnitte teilen.

  • Im ersten Akt wird
    • der Anfangszustand in der normalen Welt dargestellt (Abschnitt 1: The Ordinary World) und
    • ein Problem eingeführt (Abschnitt 2: Call to Adventure),
    • gegen das sich der Protagonist sträubt (Abschnitt 3: Refusing the Call).
    • Erst der Mentor (Abschnitt 4: Mentor) hilft dem Protagonisten,
    • die Hürde zu überwinden (Abschnitt 5: The First Threshold).
  • Im zweiten Akt
    • lernt der Protagonist Freunde und Feinde zu unterscheiden (Abschnitt 6: Tests, Allies, Enemies),
    • begibt sich in ernsthafte Gefahren (Abschnitt 7: Approach to the Inmost Cave) und
    • muss einen Härtetest bzw. Qualen bestehen (Abschnitt 8: Ordeal),
    • bevor er Belohnung oder Anerkennung erhalten kann (Abschnitt 9: Reward).
  • Im dritten Akt
    • geht es zurück zum ursprünglichen Problem und den letzten Vorbereitung für den großen Kampf (Abschnitt 10: The Road Back),
    • in dem der Protagonist seinem Tod ins Auge sieht, jedoch gerettet wird (Abschnitt 11: Death and Resurrection),
    • um den Sieg erringen zu können bzw. das Anfangsproblem zu lösen (Abschnitt 12: Return with the Elixir).

Mehr zur Heldenreise in unserem separaten Beitrag

Plot Embryo

Die Heldenreise wird in der Plot Embryo Methode aufgeriffen und in 8 Stufen eingeteilt, die bei Autoren sehr beliebt geworden ist.

  1. Komfortzone: Vorstellung der Ausgangssituation und des normalen Umfelds.
  2. Wunsch: Das Problem wird deutlich.
  3. Neue Situation: Das Abenteuer beginnt.
  4. Anpassung: Der Held wird mit etwas Neuem konfrontiert.
  5. Sieg: Der Held erreicht sein Ziel.
  6. Preis: Das Ziel hat Konsequenzen.
  7. Rückkehr: Die Handlung geht zurück zur Ausgangssituation.
  8. Entwicklung: Der Held hat durch die Reise eine Wandlung durchzogen.

Ausführlicher wird Plot Embryo auf dieser Webseite beschrieben


Wie immer in der kreativen Wirtschaft ist es an jedem selbst, seine Planungsmethode zu finden, Kompromisse zwischen den vorgestellten zu stellen oder neue zu entwickeln.

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