Das Wesentliche der Kurzgeschichte

Heute nehmen wir eine Kurzgeschichte mal auseinander und teilen sie in ihre vier wichtigsten Inhaltsstoffe. Eine Geschichte mit Anfang und Ende kann jeder schreiben, aber wir haben ja etwas höhere Ansprüche an uns.
Als erstes brauch man eine Idee. Das ist wohl die einfachste Zutat, denn Stories gibt es überall. Das Leben behält so viel bereit, manchmal sind da sogar die echten, unverfälschten Erzählungen am unglaublichsten. Also stets Augen offen halten, vielleicht ein Notizbuch mitführen und wenn es ans Schreiben gehen soll, dann hat man was parat.

Dann geht es auch schon an die Struktur. Die einfache Anfang, Mitte und Ende Theorie hat sich durchaus bewährt. Zu Beginn baut man den Konflikt auf, als nächstes folgt unweigerlich die Krise daraus und zu guter Letzt eine Art Resolution, eine Auflösung.

Jetzt wird es schwieriger. Bei jedem geschriebenen Text ist das Folgende äußerst wichtig: Es geht um die Verbindung von Ursache und Effekt. Bevor irgendetwas in der Geschichte passieren kann, muss man dem Leser eine Ursache geben. Daher fängt man mit dem Konflikt an, denn dort liegt die Ursache begründet, warum es zu einer Krise kommt. Aristoteles hat schon gesagt, dass diese drei Teile auch im kausalen Zusammenhang stehen müssen. Dabei gilt das allerdings nicht nur für den großen Bogen der Geschichte, sondern auch für kleine Dinge. Warum kauft jemand ein Erdbeereis, warum hasst jemand es, ins Kino zu gehen. Für alles muss man plausible Ursachen-Effekt-Lösungen finden. „Use no superfluous word, no adjective which does not reveal something” (Ezra Pound, ‘A Few Don’ts’).

Als Sahnehäubchen, aber dennoch nicht weniger wichtig, ist der Moment der Verwandlung. In einer guten Geschichte haben die Charaktere meist eine Realisierung, einen Moment, durch den ihnen klar wird, dass sie etwas ändern müssen. Das bewegt. Nicht immer schaffen es die Charaktere, den Moment zu begreifen, aber er muss da sein, egal ob sie ihn greifen oder nicht. „In the short story, everything is subordinate to the change” (Julia Casterton, Creative Writing, p.53).

Als Aufgabe wäre es diese Woche, einerseits ein wöchentliches Journal anzufangen, in dem jeden Tag 300 Wörter geschrieben werden. Und am Ende sollte daraus ein Plot geschrieben werden, nur das Grundlayout, in dem eine ausreichenende Planung zu sehen ist. Gerne freuen wir uns, wenn ihr diesen Grundriss mit uns teilt.

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