Love, Simon: Dramedy und Liebesroman

Der 17-jährige Simon hat ein Geheimnis: Er ist schwul. Nicht einmal seine Eltern oder seine besten Freunde wissen es. Doch als ein Schulkamerad im Internet anonym über seine Homosexualität schreibt, beginnt auch Simon sich zu öffnen – allerdings nur dem mysteriösen Blue gegenüber und auch nur per E-Mail. Als ein Mitschüler versehentlich den Mailverlauf zwischen ihnen liest, rückt Simons Coming-out näher als ihm lieb ist.

Die Kulisse ist simpel und wirkt vertraut: Teenager auf einer amerikanischen Highschool sind Akteure jedes zweiten Jugendromans. Das Besondere im Roman wie im Film ist der Protagonist: Simon. Was Fans des Romans von Becky Albertally freuen dürfte: Simon ist auch im Film nahbar, nett, irgendwie ganz normal und auf eine sehr charmante Art verunsichert. Dass er schwul ist, ist ihm klar und kein Problem – nur weiß er nicht, ob und wie er es seinen Mitmenschen sagen soll.

I mean, I feel secure in my masculinity, too. Being secure in your masculinity isn’t the same as being straight.

Viel Action sollten weder Leser noch Kinobesucher erwarten. Das Buch lebt in erster Linie von der Korrespondenz von Blue und Simon, die leider im Film ein wenig zu kurz kommt und dadurch der Verbindung zwischen den jungen Männern nicht gerecht wird. Simon und Blue haben nicht nur das gleiche Geheimnis. Im Roman ergänzen sie sich augenscheinlich und lernen von Mail zu Mail die liebenswerten Eigenheiten des jeweils anderen kennen – Simons Oreo-Sucht etwa und Blues akkuraten Schreibstil.

Dramatik, Witz und wenig Blue

Der Film allerdings punktet durch gute Umsetzung: Wenn Simon beginnt, über Blues wahre Identität zu spekulieren, sieht der Zuschauer eben jenen Mitschüler Mails an Simon formulieren, den dieser gerade in Verdacht hat. Gekonnt eingesetzt sind auch lustige Szenen, die sich in Simons Kopf abspielen: Wenn hetero sein das neue schwul sein wäre …

Wer das Buch gelesen hat und es mag, fragt sich während des Films allerdings nicht nur einmal, warum Regisseur Greg Berlanti für künstliches Drama sorgen muss: Blue, der seinen Mailaccount zwischendurch löscht. Simons beste Freundin Leah, die anders fühlt als gedacht. Martin, der nicht nur Simon erpresst, sondern ihn zusätzlich durch seine exzentrische Persönlichkeit auf Trab hält. Und auch Simons „Verrat“ an seinen Freunden Abby und Nick erscheint im direkten Vergleich zum Roman aufgebauscht. All das lenkt den Fokus weg von Blue und lässt den Zuschauer weniger eigene Vermutungen über dessen Person anstellen.

The way I feel about him is like a heartbeat – soft an persistent, underlying everything.

Fazit – Love, Simon

Das Buch ist überraschend gut – und das obwohl im Vergleich zum Film relativ wenig passiert. Simon aber ist grandios menschlich und sympathisch, sodass der Leser ihn von der ersten Seite ins Herz schließen muss. Zugegeben: Blues Identität ist durch aufmerksames Lesen etwas zu leicht zu entschlüsseln. Anders im Film, der zwar das Grundgefühl des Buches gut transportiert und der Geschichte die wenigen Längen nimmt. Gleichzeitig raubt er ihr jedoch auch die Tiefe der Charaktere. Sowohl Buch als auch Film sind aber auf ihre unterschiedliche Art kurzweilig und hinterlassen ein Lächeln auf den Lippen.

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