Books 4 a Better World – es geht weiter!

Auch 2017 wollen wir unsere Buchverschenk-Aktion fortsetzen, denn die politische Lage hat sich wenig entspannt. Neben diversen Städten in Deutschland wollen wir dabei auch international ein Zeichen gegen Separatismus, Menschenfeindlichkeit und Hass setzen. Für den Auftakt nach der Pause sind wir in den Süden gereist und haben ein Buch in der Hauptstadt Italiens versteckt.

Politisch gesehen herrschen dort ziemlich unruhige Zeiten. Die aktuelle Regierungskrise lähmt das Land, Neuwahlen sind wahrscheinlich und Rechtspopulisten wie Matteo Salvini wetzen bereits die Messer. Der Mann, der vor einigen Jahren die Trennung der Mailänder Metro in Wagons für Mailänder und Einwanderer forderte und lauthals die Afrikanisierung seiner Heimatstadt bzw. die Umvolkung Italiens beklagt, versteht sich als die Stimme des kleinen Mannes und seine Partei Lega Nord als einzige Kraft, die das schwache Italien wieder stark machen kann. Dabei bedient er die selben fremdenfeindlichen Ressentiments und gibt die gleichen einfachen Antworten wie seine rechtspopulistischen Kollegen aus Europa. Von Höhenflügen wie LePen oder Wilders ist er zwar noch weit entfernt (aktuell liegt die Lega Nord bei unter 15 Prozent) doch politisch bestimmen er und seine Partei das Klima längst mit. Und auch wenn die alten Ziele der Lega Nord, den reichen Norden Italiens vom Rest des Landes abzuspalten inzwischen relativiert werden und man lieber versucht möglichst viele Italiener auch im Süden in einer Mischung aus Fremdenfeindlichkeit und Europaverdruss zu vereinigen, zeigen aktuelle Bestrebungen seiner Parteikollegen die Richtung, in die es zukünftig gehen soll: Protektionismus, Separatismus und Abschottung. Gerade berichten italienische Medien über Referenden zur Unabhängigkeit der Regionen Venetien und Lombardei, die für den Herbst geplant sind. In beiden Regionen regiert die Lega Nord.

Um Politik und den Konflikt zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden, geht es in „Ich habe keine Angst“ des italienischen Schriftstellers Niccolò Ammanitis nur sekundär und doch passt die Geschichte vom Ende einer Kindheit perfekt in unsere Reihe der Bücher für eine bessere Welt:

I'm Not Scared by Niccolo Ammaniti (15-Feb-2004) PaperbackItalien in den 70ern. Die unerträgliche Hitze des Sommers liegt über dem kleinen Dorf Acqua Traverse, in dem der neunjährige Michele mit seiner Familie wohnt. Es scheint ein ganz normaler Ferientag – bis der Junge beim Spielen eine verstörende Entdeckung macht, die das Leben, das er bisher kannte, komplett in Frage stellt. In der idyllischen Kulisse der gold-schimmernden Weizenfelder entfesselt sich ein düsteres Drama um Vertrauen und Verrat, Recht und Unrecht, Familie und Freundschaft. Niccolò Ammanitis Roman ist Krimi, Tragödie, Gesellschaftsportrait und Coming-Of-Age Erzählung in einem. Der Guardian erklärte das Buch kurzerhand zum Meisterwerk und Ammaniti gilt seit der Veröffentlichung vor 16 Jahren als einer der besten italienischen Schriftsteller der Gegenwart. „Ich habe keine Angst“ ist ein pessimistisches Buch, das die Kluft zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden Italiens auf den Mikrokosmos eines kleinen Dorfes herunter bricht und die universellen Fragen von Schuld und Moral auf gleichsam anrührende wie beklemmende Weise vor dem Leser ausbreitet. Kein einfaches Buch, aber gerade deshalb eines, das hängen bleibt.

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