Bob, der Streuner: Ein Kater im Kino

James Bowen verdient seinen Lebensunterhalt als Straßenmusiker. Er lebt in einer Sozialwohnung. Gerade versucht er, von seiner Drogensucht loszukommen, als ein hilfebedürftiger roter Kater in sein Leben tritt.

Alles andere als anspruchsvoll – weder inhaltlich noch sprachlich – aber für Katzenliebhaber durchaus unterhaltsam. So kann man den Bestseller-Roman rund um James und Bob bezeichnen. Dieser ist genau genommen nichts anderes, als der echte Alltagsbericht eines ungewöhnlichen Katzenhalters. Obwohl Arbeitslosigkeit, schwierige familiäre Verhältnisse und Drogen die Handlung stets flankieren, klingt immer Hoffnung, Dankbarkeit und Respekt mit, wenn James von seinem Leben mit dem Kater Bob erzählt. Genau das ist es, was den Reiz des Buches ausmacht. James hat in Bob einen Gefährten gefunden, der ihn freiwillig begleitet, ihm eine positive Sicht auf das Leben schenkt und ihn Tag für Tag – trotz schwieriger Umstände – beschwingt durch London ziehen und Rückschläge nicht allzu ernst nehmen lässt.

Kater Bob: Youtube- statt Kino-Star!

Hinterteil und Hinterpfoten auf meinem rechten Schulterblatt, seine linke Körperhälfte wärmte meine Halsbeuge, und mit den Vorderpfoten stützte er sich auf meinem rechten Oberarm ab.

Wenn beschrieben wird, wie Bob sich auf James‘ Schulter durch die überfüllten Straßen der britischen Hauptstadt tragen lässt, oder er James an seiner Katzen-Leine hinter sich her zieht, überkommt den Leser zwangsläufig das Bedürfnis, dieses ungewöhnliche Duo einmal mit eigenen Augen zu sehen. Doch halten sich echte Fans besser an Youtube. Dort sind Bob und James schon echte Stars, wie wir im Roman selbst erfahren. Der Kinobesuch hingegen ist eher enttäuschend. Die ausgeschlachtete Drogenthematik, eine eingeflochtene Liebesbeziehung und die hinzugedichtete Versöhnung mit James‘ Vater lassen den Film eine ganz andere Geschichte erzählen. Bob – der übrigens von verschiedenen Katzen gemimt wird, wie das geschulte Auge eines jeden Katzenfreundes sofort erkennt – sorgt lediglich für den nötigen Cat Content, um Kinobesucher anzulocken und für eine Extra-Portion Dramatik , wenn er gerade einmal verschwindet oder eine Maus jagt.

Regisseur Roger Spottiswoode greift nur ein paar der besten Szenen aus dem Buch filmisch auf. So kann das Filmpublikum zum Beispiel den ersten Tierarztbesuch, gemeinsame Busfahrten und Jam-Sessions mit Bob auf der Gitarre verfolgen. Ein paar nette Bilder vom Kater Bob auf den Straßen Londons vermögen es aber leider nicht, über mangelndes Gefühl und künstlich angereicherte Handlungsstränge hinwegzutrösten. Trotz neuer Charaktere, Plots und Spannungsmomente passiert nicht viel – und das leider auch emotional.

Fazit – „Bob, der Streuner“

Es ist nicht die Handlung des Buches, das „Bob, der Streuner“ lesenswert macht, sondern allem voran das Gefühl, das es transportiert. Der Film bemüht sich um mehr Handlung, die leider nicht überzeugt – vor allem aber fehlt der Zauber zwischen James und seinem ganz besonderen Straßenkater.

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