Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

Hector ist ein guter Psychiater. Er interessiert sich für die Probleme seiner Mitmenschen und hört ihnen gerne zu. Trotzdem zweifelt er an seinen beruflichen Fähigkeiten. Denn es will ihm nicht gelingen, seine Patienten glücklich zu machen. Um das Glück besser zu verstehen, begibt sich Hector auf eine Reise, die seine Sicht auf das Leben grundlegend ändern soll. Von „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“, dem Buch, von dem Elke Heidenreich behauptet, es mache glücklich, hat nahezu jeder gehört. Nicht zuletzt weil es über Wochen hinweg auf der Spiegel-Bestsellerliste zu finden war. Nun wurde es verfilmt. Apropos Glück: Wir haben den Film zufällig schon vor dem offiziellen Kinostart gesehen und freuen uns, euch schon heute davon berichten zu können.

Simon Pegg in der Rolle eines belesenen wenn auch etwas naiven Psychiaters und Gutmenschen? Gewöhnungsbedürftig! Äußerlich ist der Brite zwar überraschend wandelbar und passt durchaus in Hectors geputzte Psychiater-Robe. Doch gibt er auch als Hector den Komiker und verpasst dem arglosen wie gelehrten Seelendoktor einen allzu exzentrischen, ja fast albernen Anstrich. Man kann nur vermuten, dass der Regisseur Peter Chelsom ein paar Lacher in die sonst eher nüchterne Geschichte integrieren wollte, doch Franҫois Lelords Hector ist das nicht – höchstens ein über alle Maßen karikierter. Ebenso steht es um Hectors Freundin Clara, verkörpert von Rosamund Pike: nicht schlecht gespielt, aber eben nicht DIE Clara aus dem Buch.

Lektion Nr 1: Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, um sich sein Glück zu vermiesen.

Zugegeben: Eine Charakterisierung der Romanprotagonisten gestaltet sich schwierig. Der Erzähler ist zwar ein allwissender, geht aber nicht sonderlich ins Detail. Im Film erfährt der Zuschauer erheblich mehr über Hector und insbesondere seine Beziehung zu Clara. Letztere gibt dem Buch zwar einen Rahmen, steht jedoch, anders als im Film, nicht im Zentrum des Geschehens. Während der Roman-Hector zudem in erster Linie das Ziel verfolgt, das Glück zu erforschen, um anderen zu helfen, strebt der Film-Hector vor allem danach, das Glück zu finden, um die eigene Lebenskrise, geprägt von Beziehungsproblemen, zu überwinden. Die Film-Charaktere erscheinen vielleicht plastischer und teilweise auch menschlicher, lassen sich aber nicht immer mit den Romanprotagonisten in Einklang bringen.

Ying Li, welche Hector in China kennenlernt und in die er sich Hals über Kopf verliebt, nimmt, anders als Clara, im Film nur eine kurze Episode ein. So schweigt der Film zum Beispiel über ihre Zukunft, welche Hector im Buch aktiv mitgestaltet und zu verbessern trachtet. Trotzdem ist sie durchaus wiederzuerkennen. Noch besser gelingt allerdings die Adaption von Hectors Freunden im Ausland. Sie sind im Film wie im Buch nur grob skizziert und daher umso glaubwürdiger.

Lektion Nr 2: Glück kommt oft überraschend.

Erzählt wird, im Buch wie im Film, genau genommen eine alte Geschichte: Der Mensch sucht das Glück und begreift, dass er es schon längst gefunden hat. Dem kleinen Prinzen nicht unähnlich verzückt das Buch allerdings mit Wahrheiten, die zwar eigentlich jeder kennt, die aber so zuckersüß präsentiert werden, dass sie trotzdem bewegen und neu erscheinen. Dies gelingt Lelord mittels seines Schreibstils: Die Formulierungen sind sehr einfach, von rührender Naivität geprägt. Auch spricht der Erzähler den Leser mitunter direkt an und bindet ihn so emotional an das Geschehen. Zahlreiche filmische Mittel, so zum Beispiel ein Erzähler und animierte Zeichnungen, sollen merklich dazu beitragen, dem Lesegefühl gerecht zu werden. Dies gelingt aber nur sporadisch. Insbesondere das in die Verfilmung integrierte Kindheitstrauma Hectors, der nie richtig erwachsen geworden ist, wirkt leider absolut konstruiert und wird dem Erzählstil nicht gerecht, sondern verfälscht die Geschichte geradezu.

Das Fazit

Die Verfilmung von Lelords „Hectors Reise“ überzeugt nicht so recht. Den Zuschauer erwarten teilweise schöne Bilder unterschiedlicher Länder und Menschen aber eine eher dünne, an manchen Stellen nervig überspitzte Story. Diese ist zwar an den gleichnamigen Roman angelehnt. Der Zauber des Buches geht ihr aber leider gänzlich ab. Selbst die Liste vom Glück, welche das Zentrum des Buches darstellt, wurde im Film gekürzt und teilweise drastisch abgeändert. Lelords Fans wird’s stören.

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