Wir widmen uns Hesses Siddhartha

Nach „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann, widmet sich die Redaktion in diesem Buchclub erneut einem großen deutschen Romancier: Hermann Hesse.

Zum Inhalt
Hermann Hesses „Siddhartha“ handelt von dem jungen Brahmanen Siddhartha und seinem Freund Govinda, die beide beschließen ihr Dorf und ihre Verwandten hinter sich zu lassen um nach dem Atman, dem All-einen welches jedem Menschen innewohnt zu suchen. Der Weg der zwei Freunde trennt sich bereits sehr früh: Govinda beschließt die Lehren eines Buddha anzunehmen; Siddhartha lernt von verschiedensten Begegnungen, am meisten jedoch von der Kurtisane Kamala und einem alten Fährmann. Mit Kamala hat Siddhartha einen Sohn, den sie in der Stadt allein aufgezogen hat. Siddhartha nimmt ihn auf, als Kamala an den Folgen eines Schlangenbisses verstirbt. Der Versuch seinen Sohn belehren und erleuchten zu wollen, scheitert kläglich. Siddharthas Sohn flieht zurück in die Stadt. Der Verlust beschäftigt Siddhartha viele Jahre, da er es nicht schafft den Jungen loszulassen. Trotz ihrer unterschiedlichen Entwicklung begegnen sich Siddhartha und Govinda immer wieder im Laufe des Geschehens. Am Ende treffen sie ein letztes Mal aufeinander, aber nur einer von ihnen wird den Weg zur Erleuchtung gefunden haben …
Jenna fand’s mittelmäßig
Obwohl ich eigentlich großer Fan von Hermann Hesse bin, konnte mich sein „Siddhartha“ nicht so sehr mitreißen wie andere Werke. Traurigerweise ist das Buch für mich vorhersehbar und somit auch ohne besondere Höhepunkte geblieben. Natürlich ist auch dieser Hesse nicht schlecht, doch ziehe ich andere Bücher wie beispielsweise den „Steppenwolf“ oder „Demian“ der indischen Dichtung deutlich vor. An Hermann Hesses Schreibstil ist wie immer nichts auszusetzen – doch alles in allem war diese Lektüre für mich nur ein mittelmäßiges Leseerlebnis.
Svea ließ sich gern belehren
Vielleicht sollte ich es besser verschweigen: „Siddhartha“ ist das erste und bisher einzige Buch von Hermann Hesse, das ich gelesen habe. Doch dadurch bin ich völlig unvoreingenommen an die Lektüre herangegangen und ich kann sagen: Hesse habe ich nicht zum letzten Mal gelesen! Sein Schreibstil ist mir positiv in Erinnerung geblieben – ihm haftet etwas märchenhaft Einfaches und gleichzeitig Buntes an, das mir sehr gefallen hat. Siddharthas Suche nach dem Sinn des Lebens ist mir ebenso sympathisch – Ist nicht jeder auf der Suche nach Klarheit? Probiert nicht jeder von uns täglich Dinge aus, um sie beurteilen zu können? Muten die Wege, die der Protagonist einschlägt teilweise auch recht esoterisch an, im Großen und Ganzen bin ich der Meinung, dass sich jeder auf gewisse Weise in Siddhartha wiederfinden kann. Lediglich die leicht überhebliche Art Siddharthas gepaart mit seiner Unterwürfigkeit dem eigenen Sohn gegenüber, empfand ich als nicht stimmig. Aber lehrt nicht gerade Siddhartha, dass in jedem von uns Grundverschiedenes schlummert?!

Als meine Mutter ein paar Straßen weiter in eine andere Wohnung zog, blieb ich bei Vater. Das Haus, in dem wir wohnten, roch nach feuchtem Stein. In der Waschküche stand eine Druckmaschine, auf der mein Vater tagsüber Bücher druckte. Immer, wenn ich vom Kindergarten nach Hause kam, ging ich zu ihm in die Waschküche, und wir stiegen gemeinsam die Wohnung hinauf, wo wir unser Mittagessen kochten.

Christina war beeindruckt
Genau wie Svea, habe ich – zu meiner Schande – vorher noch kein Werk von Herman Hesse gelesen. Ich war gespannt, ob dieser Klassiker mich überzeugen würde. Obwohl ich mich beim Lesen der Inhaltsangabe auf dem Buchrücken, erst nicht recht mit der Thematik anfreunden konnte, entpuppte sich Siddhartha für mich schnell als ein lesenswertes Gleichnis – Siddhartha, der den Sinn des Lebens sucht, vom Pfad seines Glaubens abkommt und durch einen Fährmann schließlich seinen Frieden findet. Ich mochte vor allem den Gedanken, dass jeder uns ein Lehrer sein kann, ob es ein Gelehrter ist, die Natur oder ein einfacher Fährmann. Sehr viel Weisheit steckt in Hesses indischer Dichtung. Der Schreibstil war sehr ansprechend und ließ mich das Buch regelrecht verschlingen. Ich bin frohen Mutes und freue mich schon darauf mir einen neuen Klassiker von Hesse vorzunehmen.
Anja trauert alten Zeiten nach
Mit 15 fand ich Hesse großartig! Auf der Suche nach mir selbst, ließ ich mich gerne von ihm an die Hand nehmen und auf dem Weg begleiten. „Steppenwolf“ hat mich schwer beeindruckt, „Demian“ noch viel mehr. Mit Anfang 20 hab ich letzteres nochmals zur Hand genommen, fand es aber irgendwie nicht mehr so gut. Nun also „Siddhartha“.
Bereits nach den ersten Seiten zeichnete sich ab, dass der Hermann und ich offensichtlich die Verbindung zueinander verloren haben. Was mich früher verzückte, nervte nun tierisch, was ich damals als tiefgründig empfand, war für mich nur noch leeres Gesülz: endlose, redundante Aneinanderreihungen der immer gleichen Bilder und Glückskeks-Weisheiten à la „Jeder kann zaubern, jeder kann seine Ziele erreichen, wenn er denken kann, wenn er warten kann, wenn er fasten kann.“ Ja nee, is klar!
Vielleicht probier ich es noch einmal mit dem „Glasperlenspiel“ oder „Narziß und Goldmund“, vielleicht lass ich es aber auch einfach sein und akzeptiere die Tatsache, dass Hermann Hesse und ich seit Langem schon getrennte Wege gehen.
Fazit
Auch bei diesem ersten Buchclub im Jahre 2013 ist die Redaktion sich nicht einig: Während Anja und Jana von anderen Werken Hesses mehr angetan waren, fanden die Hesse-Neulinge Svea und Christina die indische Dichtung durchaus lesenswert. Bei Svea eckte vor allem Siddharthas überhebliche Art an, Jana suchte vergeblich Spannungsmomente und Anja war derart genervt von sich ständig wiederholenden Weisheiten, dass sie sogar überlegt Hesse in Zukunft gänzlich zu meiden. Christina hingegen haben die genannten Kritikpunkte nicht gestört. Sie hat “Siddhartha” durchweg und uneingeschränkt genossen. Alles in allem kämpft auch Hermann Hesse, genau wie  Thomas Mann im letzten Buchclub, mit einiger Kritik, sodass nur ein mittelmäßiges Ergebnis am Ende steht.

★★½☆☆

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