Ist Sebastian Fitzek eitel?

Sebastian Fitzek muss man eigentlich nicht vorstellen. Er ist der Thrillerkönig Deutschlands. Jedes seiner Bücher wurde zum Bestseller. Sein aktueller Roman „Nachtwandler“ hielt sich ganze 8 Wochen auf Platz 1. Wir haben den ultraerfolgreichen Krimiautor getroffen und ihm unsere Keksdose unter die Nase gehalten. Hier erfahrt ihr u.a., was das Peinlichste war, das ihm je passiert ist, wie er mit Schreibblockaden umgeht und mit wem er gerne mal einen Kaffee trinken würde.

 

Was macht dich wütend?

Also richtig wütend macht es mich, wenn jemand eine gute Idee hat und jemand anderes sagt, „Nee, das funktioniert nicht“, so aus dem Bauch heraus. Das scheint immer der Reflex, wenn etwas Neues kommt. Und wenn Kreativität gestoppt wird, weil jemand sagt „Kenne ich nicht, hab ich noch nie gemacht“, dann macht mich das wütend, weil ich denke, gute Ideen werden so einfach nur verhindert.

 

Totale Ehrlichkeit oder Notlügen und kleine Geheimnisse?

Also totale Ehrlichkeit, das funktioniert überhaupt nicht. Ich kenne keinen Menschen, der sagt, dass er immer ehrlich ist, und wenn er das sagt, dann lügt er. Das heißt, Notlügen, und kleine Geheimnisse sind auch Notwehr. Ich finde auch, dass der Partner seine Geheimnisse haben sollte, keine großen, aber kleine. Das macht ihn dann auch ein bisschen interessanter als wenn man alles kennt. Das ist ja auch langweilig auf Dauer.

 


Was ist das Peinlichste, das dir jemals passiert ist?

Da hab ich ein Buch drüber geschrieben. Eigentlich hab ich schon wahnsinnig viele peinliche Episoden erlebt.

Sehr peinlich war es einmal, als ich nackt durchs Hotel in New York gelaufen bin, ich hatte Jet-Lag, ich hatte mich ausgeschlossen, ich dachte ich geh ins Klo, ich stand auf dem Gang. Und die USA sind nun nicht das FKK-freundlichste Reiseland der Welt. Das war etwas, wo ich am liebsten eine Tablette geschluckt hätte, um danach eine Amnesie herbeizuführen. Allerdings hat sich das gelohnt, weil ich hab mir überlegt, das ist gar nicht schlecht, daraus ist die Idee „Splitter“ entstanden für mein Buch.

 

Was machst du gegen Schreibblockaden?

Also ich finde, Schreibblockaden sind eine schöne Erfindung von Autoren. Wenn ein Handwerker sagen würde: „Ich hab heute eine Handwerksblockade, ich kann nicht handwerkeln“, dann würde man ihm einen Vogel zeigen. Ein Schriftsteller wird, wenn er nicht arbeitet, sogar dafür bedauert, wenn er das richtig schön kultiviert. Natürlich gibt es Tage und Momente, an denen man nichts auf die Reihe bekommt. Wo man auch weiß, wenn ich heute schreibe, das wird Murks. Aber dennoch, wie in jedem normalen Beruf muss man sich dann dazu zwingen. Und das ist das, was ich tue. Ich weiß, dass wird jetzt Murks, was ich jetzt schreibe. Aber lieber schreibe ich jetzt, als dass ich den ganzen Tag ein weißes Blatt anstarre. Denn dann gibt es keine Schreib-, sondern auch eine Denkblockade, und dann hat man sehr schnell eine psychische Blockade, und die darf man gar nicht erst entstehen lassen. Also dagegen ankämpfen wie im Sport, dagegen anlaufen. Irgendwann löst es sich. Auch wenn man dann 200 Seiten wieder löschen muss, oder 20. Manchmal ist das, was man für Murks hält, übrigens gar nicht so schlecht. Also man sollte es danach nicht sofort löschen. Und am nächsten Tag überlegen, ob man es vielleicht wieder aus dem Papierkorb heraus holt. Denn meistens ist es gar nicht so schlecht.

 

Was ist dein größter Traum?

Mein größter Traum wäre eigentlich, dass mein Leben sich nicht wesentlich verschlechtert. Das Leben hat es bisher ganz gut mit mir gemeint. Ich habe eine wundervolle Familie. Ich habe einen tollen Beruf. Ich bin noch halbwegs gesund, wenn man von den ganzen Wehwehchen mal absieht, die sich mit 41 jetzt einstellen. Dass es immer ewig so weitergeht, beruflich wie privat, das kann eigentlich gar nicht sein. Stichwort Entropie, alles strebt dem Verfall zu, so auch wir und die Karriere wahrscheinlich. Es sollte sich nicht so rasant und rapide verschlechtern, das wäre mein Traum.

 

Woher bekommst du deine Ideen?

Menschen inspirieren mich. Vor allem verhaltensauffällige Menschen. Wenn man wie ich jahrelang beim Radio gearbeitet hat, dann merkt man, da sind sehr viele verhaltensauffällige Menschen. Deren Verhaltensweisen inspirieren einen entweder zu Psychothrillern oder zu Komödien. Ich mag beides, Psychothriller noch ein bisschen mehr. Also hab ich diese kleinen Macken genommen und versucht, ein bisschen tiefer in die Seele der Menschen zu schauen. Es ist aber auch häufig so, dass ich mich selbst in sehr skurrilen Situationen wiedergefunden habe. Und jeder Autor wird das bestätigen, man muss leben und erleben, bevor man sich überhaupt etwas ausdenken kann.

 

Sebastian Fitzek

© H.Henenkensiefken

 

Bist du eitel?

Meine Frau würde sofort sagen ja, weil ich länger im Bad bleibe als sie. Allerdings bin ich auch älter als sie. Und wenn man immer weniger Haare auf dem Kopf hat, muss man die eben so geschickt verteilen, dass es nicht zu blöd aussieht. Es geht ja noch. Aber wenn ich nicht so eitel wäre, würde sie sagen: „Oh, Gott, was ist denn das für einer“. Also insofern würde ich schon sagen: „Ja, klar“. Aber nicht übertrieben. Beispielsweise haben wir im Haus nur Spiegel im Bad. Das liegt daran, dass ich handwerklich so unbegabt bin, dass ich nicht in der Lage bin, so einen Spiegel aufzuhängen. Und jetzt wo die Kinder da sind, dachte ich da sollten die lieber nicht runterknallen. Also weiß ich gar nicht, wie ich aussehe, wenn ich aus dem Haus gehe. Ich brauch’ nicht überall einen Spiegel, aber man achtet schon darauf nicht allzu unangenehm aufzufallen.

 

Mit welchem Autor würdest du gerne einen Kaffee trinken?

Ich glaube, sehr gerne mit Harlan Coben, mit dem habe ich auch schonmal Kaffee getrunken, allerdings saß ich da noch mit 20 anderen Leuten am Tisch. Amerikanischer Spitzenthrillerautor Nummer eins, Bestseller Liste New York Times. Das ist ein sehr lustiger Mensch, das merkt man auch, wenn man die Bücher liest, die sind nicht nur spannend, sondern auch lustig. Bei den anderen Autoren weiß ich nicht, wie sie sind, vielleicht schreiben die nur spannende Bücher, sind aber ansonsten langweilig. Aber mit dem würde ich mich gerne mal treffen.

 

Was hast du als Kind am Liebsten gelesen?

Ganz eindeutig, nach der Comicphase, waren das die „Fünf Freunde“, Enid Blyton. Ich wollte immer einer von den fünf Freuden sein, nur nicht der Hund. Und das hat mich wahrscheinlich auch zu Kriminalgeschichten inspiriert. Wobei ich sie jetzt nochmal gelesen habe, um zu checken, ob man die später seinen Kinder vorlesen kann. Und da wird ja ständig nur gegessen. Die ganze Zeit. Also wenn man sich das mal durchliest, sie essen und essen und essen. Ist eigentlich ein Wunder, dass ich da nicht komplett in die Breite gegangen bin. Kann‘s aber verstehen, mit so einem kleinen Carepaket. Als erstes, bevor die einen Fall gelöst haben, wurde gegessen. Und das habe ich am Liebsten gelesen. (Das ist auch gut für‘s Denken.) Mein allererstes Buch war auch von Enid Blyton. Das habe ich so oft aus der Grundschul-Bibliothek ausgeliehen, dass die Bibliothekarin es mir dann irgendwann geschenkt hat. Das habe ich auch Zuhause stehen. Es heißt „Unterm roten Dach“, gibt‘s kaum noch, war vergriffen. Ist ein spannendes Buch, fast eine Art Psycho-Thriller. Da liegen die Eltern im Koma und die Kinder wollen nicht, dass die Fürsorge kommt und tun so, als ob die Eltern noch da wären. Die Kinder müssen sich dann allein im neuen Haus unterm roten Dach durchschlagen. Ist wirklich spannend. Natürlich ein Kinderbuch, sollte man im Alter von zehn bis zwölf lesen. Sehr interessant.

 

Wann hast du das letzte Mal geweint?

Das ist wirklich sehr lange her. Beim Tod meiner Mutter. Das war im Übrigen am 12.April 2006, und wenn man sich „Der Nachtwandler“ ansieht, dann sind da ein paar Zahlen auf dem Buchrücken drauf, und die haben kurioserweise mit dieser letzten Frage zu tun.

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