Der alte Mann und das Meer

Nach dem viel zu hitzigen und kafkaesken Sci-Fi-Erlebnis Fahrenheit 451, brauchten wir dieses Mal eine kleine Abkühlung im Buchclub, um wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen. Hier erfahrt ihr, ob die Leseerfahrung von Der alte Mann und das Meer ein Sprung ins kühle Nass ist oder ob ihr eure nächste Urlaubsreise dem Motto Hemingway widmen könnt.

 

 

Zum Inhalt

Die Geschichte erzählt von der Beziehung des Jungen Manolin und einem alten Fischer namens Santiago, die gemeinsam regelmäßig zum Fischen aufs Meer hinausfahren. Doch Santiago ist vom Pech verfolgt und hat schon seit über 80 Tagen nichts mehr gefangen. Der alte Mann und sein Gehilfe sind nicht verwandt, jedoch verbindet sie eine besondere, herzliche Beziehung. Trotz des Verbotes seiner Eltern, kümmert sich Manolin um den alten Mann und unterstützt ihn, wo er nur kann. Das Schicksal trotzend entscheidet sich Santiago alleine aufs Meer hinaus zu fahren, um seinem Unglück ein Ende zu setzen. Und in der Tat – es beißt etwas an, genauer gesagt ein riesiger Marlin. Der Fisch ist so groß, dass er das Boot des alten Mannes hinter sich herzieht, während dieser mit aller Kraft an der Leine festhält. Der alte Sturkopf kämpft mit dem Fisch, zwei Tage, drei Tage lang. Er ringt mit blutigen Händen bis der Marlin langsam seinen Geist aufgibt und versetzt dem Tier den Todesstoß. Der schwere Kampf hat Santiago verändert und er blickt auf den Marlin, seinen Bruder, mit neuen Augen. Doch noch soll er nicht die Ruhe bekommen, die er sich verdient hat…

 

Eine emotionale Herausforderung für Svea

Ernest Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ stellte mich, trotz der Kürze, vor eine echte Herausforderung: Selten habe ich von einem bedauerlicheren Schicksal gelesen. Die einfache, fast schon märchenhaft anmutende Sprache der Novelle hat mir durchaus gefallen und mich dazu bewegt, die Geschichte an einem Abend regelrecht zu verschlingen. Auch einige der eingebetteten Binnenerzählungen hatten ihren Reiz: Ein Fisch, der, nachdem seine Weggefährtin gefangen wurde, im Beisein des bedrohlichen Fischers einen Sprung wagt, nur um sie ein letztes Mal zu sehen – ergreifend schön. Die Rahmenhandlung überzeugte michauch teilweise. Vor allem die ungewöhnliche Beziehung des Fischers zu dem Jungen sowie das glaubwürdig gespaltene Verhältnis des Alten zur See und insbesondere zu dem Fisch an seiner Angel, weckten mein Interesse. Die vielen Einschübe über Baseball empfand ich dagegen als ganz und gar lästig. Der Kampf mit dem Fisch selbst erschien mir, wenn auch authentisch, schon ausgedehnt genug. Aber das tragische Schicksal des Mannes, der stets voller Hoffnung scheint und nur enttäuscht wird, hat mich wirklich mitgenommen. Die Welt ist ungerecht und Hemingway zu ehrlich! Ein paar Höhepunkte mehr jedenfalls wären meiner Meinung nach angebracht gewesen, um den Leser für all die Strapazen zu entlohnen. Alles in allem ein zutiefst anrührendes, wenn nicht gar bedrückendes Buch mit Längen.

 

Anja verneigt sich vor dem alten Mann

„Man can be destroyed but not defeated!” Jetzt weiß ich endlich wo dieser Ausspruch herkommt, vielmehr noch, jetzt versteh ich, was damit gemeint ist: Auch wenn Santiago am Ende des Buches körperlich und seelisch zerstört scheint, ist er eigentlich ein Gewinner, denn er hat sich der Herausforderung gestellt, beharrlich sein Ziel verfolgt, gekämpft wie ein Löwe und nie aufgegeben, ohne dabei seine Menschlichkeit oder sein Mitgefühl zu verlieren. Von Anfang an hatte ich den alten Fischer in mein Herz geschlossen und wollte, genau wie der Junge, nicht mehr von seiner Seite weichen. Mit jedem Umblättern und jedem Tag auf dem Meer wuchs meine Zuneigung und Bewunderung für ihn. Trotz karger Sprache hat es Hemingway geschafft, berührende, kraftvolle Bilder zu schaffen, die mich nicht so schnell loslassen werden.
Wenn ich das nächste Mal einen Rückschlag erleide und wieder kurz davor bin, über die Ungerechtigkeit des Lebens  zu jammern, werde ich an Santiago denken und einfach mal meine Klappe halten.

 

Christinas unerfüllte Erwartungen

Mein ständiges Bestreben ist es alle (oder sagen wir besser: „so viele wie möglich“) großen Autoren der Literatur einmal gelesen zu haben. Ergo war die Freude sehr groß, als ich feststellte, dass eben solch ein großer Name in unserem Buchclub auftauchte: Ernest Hemingway. Völlig euphorisiert schlug ich das Buch auf und begann zu lesen, doch zu meiner Überraschung hat mich der Roman nicht wirklich mitgerissen. Ein alter Mann, der einsam auf dem Meer gegen Haie, das Verhungern und die Einsamkeit kämpft. Ich denke die Geschichte war einfach nicht für mich gemacht. Der Roman schien mir zu kurz, um mich in die richtige Stimmung zu bringen. Obwohl ich mir nicht einmal sicher bin, was ich eigentlich von diesem Buch erwartet habe, war ich am Ende irgendwie enttäuscht. Trotzdem hat mir der Stil von Mr. Hemingway sehr imponiert und der Roman las sich schnell weg. Mit gemischten Gefühlen streiche ich also Mr. Hemingway von meiner „To-read-list“.

 

Patryk sagt: Weniger ist „Meer” 

Hemingway ist bekannt dafür sehr spartanisch und lakonisch zu schreiben. Er war der Meinung, ein guter Schriftsteller müsse und dürfe seine Geschichte nicht mit zu vielen Details schmücken. Versteht der Autor sein Handwerk, dann kann er Gefühle und Symbole zum Leser transportieren, ohne sie direkt auszusprechen. Wie ich finde, ist gerade dieses Werk ein Paradebeispiel für all das und deshalb ein gute Gelegenheit um Hemingway kennenzulernen. Selten hat ein Buch, das sich so schnell liest, so viel bei mir hinterlassen. Das bei Hemingway altbekannte Motiv des Kampfes wird in der Handlung herzzerreißend dargestellt. Und der Mann weiß es wirklich mich zum mitfiebern zu bringen. Wie könnte diese tragische Figur des alten Mannes jemanden kalt lassen? Ich zumindest wollte mit ins Boot springen und an der elendigen Leine zerren! Wer Hemingway liest, sollte sich darauf gefasst machen zwischen den Zeilen zu lesen. Wem es gelingt hinter die Fassade der robusten Worte zu blicken, dem wird klar, dass hier ein Meister seines Handwerks am Schaffen ist. Denn Hemingway und „Der alte Mann und das Meer” sind: pragmatisch, praktisch, gut.

 

Nico sah die See in HD

Ich bin unglaublich froh, dass das erste Buch, das ich von Hemingway in die Griffe bekam, „Der alte Mann und das Meer“ war. Eigentlich bin ich kein großer Fan von Erzählungen, in denen Seitenweise nichts passiert und besonders der Anfang mit viel Hintergrundwissen vollgestopft ist. Hier hieß es für mich daher: anfangs durchhalten. Doch schnell wurde die berührende Beziehung des Jungen zu dem Alten unterhaltsam. Aber richtig mitgerissen hat mich die nüchterne Erzählung über die Fischer in Kuba erst, als der alte Mann alleine aufs Meer gefahren ist. Ab da sind die Aktivitäten und Abläufe des Fischers, welche unglaublich interessant sind, mit tiefgründigen Einblicken besprenkelt, über sein Leben, seine Ängste und seine Ziele. Obwohl ich mich in seinen Interessen nicht wiederfinden konnte – mit Baseball hab ich nicht viel am Hut – so teilte ich trotzdem seine Empfindungen. Auf seinem Abenteuer zeigt der alte Mann ein für Fischer untypisches Verhältnis zu dem Fisch, mit dem er ringt. Das hat Hemingway so vollkommen beschrieben, dass ich selbst die Anspannung, den Schmerz, die Qual; gar die Glücksgefühle und die Tragik so deutlich spüren konnte, dass ich das Buch förmlich verschlungen habe. Was Hemingway allerdings am besten konnte, sind Landschaftsbeschreibungen, die wie gestochen scharfe HD-Bilder vor dem inneren Auge entstehen.

 

Fazit zum Buchclub Der alte Mann und das Meer”

Was sollen wir nur machen mit unseren Redakteuren, denn nicht einmal können sie auf einen Nenner kommen. Christina ist enttäuscht vom großen Klassiker der Weltliteratur, während Patryk sich als Fanboy outet. Nicos Résumé ist so zeitgenössisch, dass es ab heute für 4,99 € in HD im Handel erhältlich ist. Auf der anderen Seite ist Sveas Urteil nun ja “comme ci comme ca” und für Anja weckt Hemingway den Tiger in ihr. Insgesamt war die männliche Fraktion dem alten Mann positiver gegenüber gestimmt – das wären dann wohl „echte Männer” in den Macho-Augen Hemingways. Von den Damen der Schöpfung bekommt dieser leider einen Korb, da einfach das gewisse Etwas fehlt.

Im FightClub Ernest Hemingway ließen wir bereits die Fetzen fliegen, doch auch im Buchclub ist wieder einmal ersichtlich geworden, wie unterschiedlich Geschmäcker sind, wie subjektiv Ästhetik ist. Das Fazit liegt bei guten 3 Sternen!

★★★½☆

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