Schreibregel 1: Show! Don’t tell.

Genau, „show, don’t tell“ oder auch „zeigen, anstatt erzählen“, das, so würde ich behaupten, ist wohl das Wichtigste, was ich von dem kreatives Schreiben Kurs in England mitgenommen habe.

Viel zu oft werden Gefühle einfach berichtet, erzählt – oder platt ausgedrückt „gesagt“. Es ist zwar gut zu wissen, dass Heinz in Maria verliebt ist, aber spannend hat sich diese Information dir nicht dargelegt. Anders wäre es gewesen, hätte Heinz ganz rote Wangen bekommen, als er ihr über den Weg gelaufen ist oder gäbe es eine Aktion, die andeuten würde, was er empfindet.

Der Leser ist nicht doof, der merkt die subtilen Dinge und findet sie meist viel ansprechender bzw. realistischer. Eine Entwicklung kommt gerade bei Twilight so wenig zum Tragen, weil alles im Überfluss beschrieben wird und jedes Detail mehr als einmal hervorgehoben wird, um dem Leser auch wirklich hundertprozentig klarzumachen, dass Bella Edward toll findet – nicht, dass da Zweifel entstanden wären.

Als schönes Beispiel kann man sich da auch Hollywood-Filme zur Hand nehmen. Der schöne Vorteil an einem visuellem Medium ist schließlich, dass es recht einfach sein sollte, Dinge zu „zeigen“, und dennoch besteht Hollywood auf seine 3-fach-Regel, nach der jedes Detail mindestens dreimal im Film beschrieben werden muss. Anstatt man eine Frau also im einfachsten Fall einem Mann hinterhergucken lässt, wird man in Hollywood-Filmen meist erleben, dass sie erst der Freundin zuflüstert, wie heiß er ist, dann kommt jemand von der Toilette zurück, dem die Freundin das erneut erzählt und im wahrscheinlichsten Fall geht sie am Ende raus und seufzt noch mal laut, wie toll er aussah. Dem Zuschauer oder Leser hätte das einmal hinterhergucken vollkommen gereicht.

Die dieswöchige Aufgabe ist deshalb zum ersten Mal nichts Neues zu schreiben, sondern einen alten Text, evtl. von euch selbst, zur Hand zu nehmen und genau zu überprüfen, welche Informationen rausgeschmissen werden können. Beschreibende Adjektive sind in den meisten Fällen überfällig. Ihr solltet also einen 500 Wörter Text auf mindestens 200 Wörter kürzen können, auch wenn es schwer fällt. Nach ein paar Tagen lest ihr euch objektiv den neuen Text noch mal durch und überlegt, ob er nicht besser ist, oder ob ein paar alte Sachen doch wieder reingehören sollten.
Diese Aufgabe erfordert Selbstreflektion und Ehrlichkeit und ist daher nicht so einfach, wie es scheint. Wenn ihr die Ergebnisse kommentiert, helfen wir gerne weiter.

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