Die Welt von „Menschenjagd“

Menschenjagd

Auf der Flucht

Ein beliebtes Szenario für dystopische Geschichten ist das Töten von Menschen zur Unterhaltung. Bereits vor Suzanne Collins‘ „Die Tribute von Panem“ oder „Battle Royale“ von Kōshun Takami hat sich Bestsellerautor Stephen King im Jahre 1982 mit seinem Buch „Menschenjagd“ diesem Thema angenommen.

Wir schreiben das Jahr 2025, es herrscht eine hohe Umweltverschmutzung, die Kluft zwischen Arm und Reich ist enorm und ein Fernsehsender produziert brutale Spielshows, um die Mehrheit der Bevölkerung ruhigzustellen. Der neueste Schrei ist die Show „Menschenjagd“, im Rahmen derer der als vogelfrei erklärte Kandidat auf der Flucht so lange wie möglich versucht zu überleben. Professionelle und vom Fernsehsender beauftragte Jäger, aber auch die Zuschauer im ganzen Land, machen es sich zum Ziel, den Kandidaten zu finden und möglichst medienwirksam zu töten. Für jede Stunde, die der Kandidat am Leben bleibt, bekommen seine Angehörigen 100 Dollar. Als Beweis, dass er noch am Leben ist, muss der Kandidat sich zweimal am Tag für ein paar Minuten selbst filmen und die Kassetten per Post an den Sender schicken, wodurch er gezwungen ist, seinen Aufenthaltsort immer wieder preiszugeben. Sollte der Kandidat einen ganzen Monat überleben, winken der Jackpot und sein Leben.

Der Protagonist Benjamin Stuart Richards lebt in einer Wohnsiedlung ähnlich einem Slum und beschließt, sich für die Spielshow anzumelden, um die dringend benötigten Medikamente für seine kranke Tochter bezahlen zu können.

Im Zentrum der Dystopie steht eine starke Medienkritik, die im Roman bis zum Äußersten zugespitzt wird. King hat im Jahre 1982 bereits den Trend für immer primitivere, sinnentleertere und affektorientiertere Fernsehshows erkannt. Gute Quoten bringen beispielsweise Sendungen, die die Kandidaten zum Objekt der Belustigung machen. Formate wie „Bauer sucht Frau“, „Schwiegertochter gesucht“ und „Frauentausch“ zielen heute unter anderem darauf ab. King steigert diesen Grundgedanken des Voyeurismus, der sich aus Belustigung, Ekel und Schadenfreude zusammensetzt, und lässt ihn in seinem Werk im Konzept der „Menschenjagd“ gipfeln.

Kings Schreibstil passt sich dabei schonungslos der Härte und Brutalität seiner erschaffenen Welt an und vermag es, ein passendes, wenn auch kitschiges Ende zu formulieren.

Schreibe einen Kommentar

*