The Circle: Traumjob oder Big Brother?

Beim Circle stimmt nicht nur die Bezahlung – auch die Gesundheitsvorsorge der Arbeitnehmer, ihre Freizeitgestaltung und ihr Sozialleben liegt dem Internet-Unternehmen am Herzen. In den ersten Wochen in ihrem neuen Job kann Mae ihr Glück kaum fassen. Doch die von der Firma geforderte Transparenz hat Schattenseiten.

Die Dystopie über die mächtige Internet-Firma The Circle ist ein Bestseller-Roman. Die Frage, wie viele – oder vielmehr, wie wenige – Jahre wir von einer Überwachungsgesellschaft entfernt sind, wie das fiktive Unternehmen sie anstrebt, hat schon so manch einen Leser bewegt. Nicht umsonst hat Regisseur James Ponsoldt für die Besetzung echte Hochkaräter verpflichtet: Emma Watson in der Hauptrolle und Tom Hanks als CEO Eamon Bailey machen eine durchaus gute Figur. Auch das Setting ist gelungen und doch hat der Film einen faden Beigeschmack – insbesondere für Leser der Romanvorlage.

Nicht ganz rund

Die Buchvorlage von Dave Eggers ist nicht perfekt: Wenn Protagonistin Mae Holland zum fünften Mal zum Kayaken aufbricht, kann schon mal das Bedürfnis aufkommen, ein paar Seiten einfach zu überblättern. Wo das Buch zu ausführlich ist, ist der Film jedoch spürbar zu reduziert. Der Zuschauer bekommt das Gefühl, von Szene zu Szene zu springen.

Kalden, Maes mysteriöser Kollege offenbart im Film viel zu früh seine wahre Identität: Während sich im Buch über Hunderte Seiten hinweg eine abenteuerliche Liebelei entwickelt, fragt sich der ungläubige Kinobesucher zwangsläufig, warum sich der Fremde gerade Mae anvertraut. Maes zweiter Verehrer, Francis, hat es trotz seiner für die Circle-Gemeinschaft bezeichnende Geltungssucht nicht einmal in in die Verfilmung geschafft hat.

Auch der Absturz von Maes Freundin Annie ist wenig glaubwürdig. Wenn das Unternehmen alle Metadaten von jedem Beschäftigten kennt, wie kann es da sein, dass Annie einen Burn-Out erlebt? Ihr Werdegang im Buch erscheint nicht nur plausibler, sondern zeigt auch ein weiteres zerstörerisches Anliegen des Unternehmens auf: Nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Vergangenheit soll durchleuchtet werden.

Zugute halten kann man Ponsoldt, dass er das wenig befriedigende Ende aus dem Roman tatsächlich aufgewertet hat. Mae schlägt die Gründer des Circle mit ihren eigenen Waffen. Sie hält am Transparenz-Gedanken fest und führt ihn gleichzeitig ad absurdum. Was genau in Mae vorgeht bleibt dabei jedoch weitestgehend unklar – da hilft leider auch Emma Watsons Schauspielkunst wenig.

Fazit – The Circle

Gute Schauspieler mimen flache Persönlichkeiten und hetzen durch gute Kulissen. Ein paar Längen aus dem Roman hätten dem Film gut getan.

 

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